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Höhlenbeschreibungen des 19. Jahrhunderts

Die Försterhöhle. (E.M.Arndt)

Sie ist vor 20 und etlichen Jahren wieder gefunden, und von Einzelnen mit Seilen befahren worden. Doch erst seit vier, fünf Jahren hat sie der Gastwirth Förster in Waischenfeld mit Leitern und Stufen versehen, sie fahrbar gemacht und ihr seinen Namen gegeben. Sie liegt auf halben Wege, zwischen Waischenfeld und Rabenstein, in einem kahlen Berge über dem bambergischen Dorfe Zeubach. Die Tiefe mag 85 bis 90 Schuh betragen. Sie ist von allen Höhlen, die ich in diesem schönen Bezirk einiger Meilen gesehen habe, fast die merkwürdigste, so groß, so ungeheuer und so fremdartig sind die Formen, die sie dem erstaunten Auge bey jedem Schritte darbietet; so abentheuerlich und zugleich so reizend die Bildungen aus dem Tropfstein, die man wie Gestalten aus einer fremden Welt angafft. Nach allen Seiten sind Decken mit kühner und fester Hand gewölbt. Höhlen laufen nach den verschiedensten Richtungen wohin man sich nur wenden kann, fort, einige tief hinab, andere hoch hinauf, welche noch kein Fuß betreten hat, und vielleicht nie betreten wird. Wasser tröpfelt herunter, rieselt die Wände nieder, füllt kleine Becken, rauscht in Bächen und schafft neue Wunder für die Enkel, die nach solchen Dingen fragen werden.

Der Tropfstein bildet hier alles in weißen Formen, da er in den Höhlen um Muggendorf alles gelb oder auch schwarzgrau abbildet. Was nur die schaffende Fantasie zu denken und zu dichten wagt, und kaum wagt, das kann man hier erblicken. Massen und Gestalten, die im Dämmerlichte gesehen, wieder tausend andre aus der Gehirnschale hervorschlagen, und worin jeder diese oder jene Ähnlichkeit mit wirklichen Gegenständen wiederfindet. So klomm ich mit meinem Führer durch diese grauenvollen Schlünde und Klüfte, jeder ein kleines Lichtlein in der Hand, und Er eine große Stange mit vier Kerzen umsteckt, mit denen er wie mit einem Kronleuchter die düstern und hohen Gewölbe erhellte. O dies war eine Morgenandacht, wie ich sie täglich haben möchte! Ich hatte gestern viel Liebliches und Furchtbares gesehen, hier sah ich alles nur grauenvoll und gräßlich; so weit die Spalten, so tief und hoch gerissen, die kleinen und großen Höhlen nach allen Seiten, deren einigen wir nachkrochen, so weit wir ohne Gefahr konnten; so rauh und zackig die grauen und braunen Gewölbe, hie und da schimmernd mit den weißen Tropfsteinformen, und von den träufelnden und erhärtenden Tropfen funkelnd, wie ein düsterer Himmel mit seinen freundlichen Sternen. Der Weg der Haupthöhle geht steil und glatt hinauf; aber Förster hat Stufen eingehauen, und diese mit Brettchen ausgesetzt; denn nur einige Finger dick fand er die Glasur des Tropfsteins und dann eine Art lettiger Erde.

Die schönen Zapfen und Orgelpfeifen die der Tropfstein hier gebildet hat, haben hie und da durch Frevlers Hände Verstümmelung erlitten. Förster behauptet, es sey einmal in einer Nacht mit Äxten geschehen, und er argwohnt auf den alten Wunder und seine Söhne, die für ihre Höhlen Abbruch gefürchtet hätten. Unten lagen Gebeine von zwei Gerippen die er hier fand, als er zuerst hinabstieg. Der eine Schädel hatte viele Hiebe gehabt, die aber wieder zugewachsen waren. Alt sind die Gebeine offenbar nicht. Vielleicht sind es preußische Freybeuter aus dem siebenjährigen Kriege, die hier in den bischöflichen Ländern böse hausten, und deren vielleicht bey Gelegenheit, so in der Heimlichkeit, mancher abgewürgt ist. Mein Wunder, der bey mir sitzt, erzählt mir eben, nicht ohne eine kleine Verabscheuung: die Bamberger haben anderthalb Stunden von hier 5 Franzosen in eine Höhle hinabgeworfen, und man habe einige mehrere Tage noch wimmern hören. Ich hätte heute auch leicht so einen fränzösischen Sprung thun können, indessen blieb es bey der Probe. Als ich in einer Seitenhöhle, um ein wunderschönes Gewölbe zu beschauen, eine Leiter hinaufstieg, schlug diese um, und ich machte einen fliegenden Rücksprung, und bekam erst einen derben Hieb auf den Kopf; dann ging es abwärts, immer hinunter, und schon empfahl ich meine Seele den Berggeistern, als ich einen Zapfen faßte, schon über einer Spalte hängend, die mich leicht hätte verschlucken, und dann an allen Rippen zerschlagen können.

Ich faßte an meinem Kopf, nicht wie der Campische Robinson, um zu sehen ob ich noch lebe, sondern weil mein Hut, tief über die Augen geschlagen war. An meinen Händen und Knöcheln fand ich mit etwas geschunden, als ich anfing, mich nach der ersten Betäubung zu erholen. Doch ließ ich, um meine bebenden Führer nicht noch|zitternder zu machen, mir nichts anmerken, sondern kletterte mit ihm fort durch alle Ecken und Spalten, so weit wir beyde konnten; und so ging es die erste Leiter hinauf. Bey’m Anfang der zweyten, die etwa 20 Fuß tief hinabgeht, ist zur Linken der Aufsteigenden, eine enge, sehr schöne Seitenhöhle. In diese kletterte ich noch um 30 Fuß tief mit meinen Führer auf allen vieren und auf dem Bauch hinein, so daß wir oft in einer Klemme waren, weder rück- noch vorwärts zu können; aber auch hier entschädigten uns die herrlichsten Stalaktiten, woran noch keine Menschenhände was verdorben hatten. Diese Höhle läuft noch viel tiefer fort, aber ihre scheußliche Enge schreckt ab, weiter die gefährliche Fahrt hinab zu wagen. Noch war keiner mit dem Führer so weit gewesen als ich.
(Aus: E.M.Arndt. Bruchstücke aus einer Reise von Baireuth bis Wien, Leipzig 1801, Ndr. bei Palm und Enke, Erlangen 1985. Seite 41-45.)


Die Försterhöhle.

(J.Chr. Rosenmüller)

In der Nähe von Weschenfeld sollen sich viele kleinere Höhlen befinden, und zwey größere, welche jedoch zugemauert sind. Am meisten verdient die, eine Viertelstunde von Weschenfeld bey Zewig auf einem kahlen Berge befindliche, zwischen Weschenfeld und Rabenstein über dem Bambergischen Dorfe Zeilbach (Zeubach) gelegene Höhle, untersucht zu werden. Esper hat in seiner Reise zu den Gailenreuther Höhlen, welcher in den Schriften der Berliner Gesellschaft naturforschender Freunde abgedruckt ist, zuerst Nachricht von ihr gegeben. Sie gerieth jedoch ganz in Vergessenheit, bis sie im Jahre 1795 von meinen Freunden Pölitz und Henning wieder untersucht und seit dieser Zeit häufiger bestiegen worden ist. Von dem Gastwirth Förster, welcher die Fremden in ihr herumzuführen pflegt, nennt man sie daher die Försterhöhle.

Der Eingang hat zehn Fuß in der Weite, und bildet einen flachrunden, ausgesprengten Bogen. Wenn man eine Strecke von ungefähr zehn Fuß hineingegangen ist, muß man sich nun sieben bis acht Klafter tief an einem Seile hinablassen. Man gelangt dann in einen sehr weiten Raum. Es rinnt aus dem Felsen eine mäßig starke Quelle hervor, deren Wasser sich aber in der Erde verliert. Die ganze Länge der Höhle mag, den Eingang abgerechnet, sechzig bis achtzig Schritte betragen. Die Breite ist beynahe ebenso und das Ganze formiert also so ziemlich ein Rondell, dessen Höhe ungefähr dreysig bis vierzig Schuh ausmacht. Die Decke ist sehr ungleich gewölbt, und beynahe so wie das Deckgewölbe der Osswaldshöhle gestaltet. Nach Espers Beschreibung soll da, wo sich die Höhle zu erweitern beginnt, ein ganzes, starkes, noch unzerfallenes Gerippe von einem Menschen liegen, woran das Hüftbein zerbrochen ist. Wenig Schritte weiter soll sich ein zweytes menschliches Skelett befinden, welches ebenfalls noch ganz ist, dessen Kopf aber durch einen Hieb beschädiget zu seyn scheint.

Auch findet man, nach Esper durch die ganze Höhle, viele hier und da liegende Skelette von Wölfen, welche er für Überbleibsel neuerer Zeit hält. Der Augenschein, sagt er, beweist, daß sich kein Tier so leicht aus dieser Tiefe wieder heraushelfen kann. Sie scheinen sich also selbst gefangen zu haben. Von diesen Knochen ist jetzt keine Spur mehr zu finden. Doch haben mir meine oben erwähnten Freunde ein paar Knochenfragmente aus dieser Höhle überbracht, welche unleugbar Stücke vom Schädel eines Höhlenbären sind. Nach Arndts Nachricht (aus seiner Reisebeschreibung von 1801) ist gegenwärtig die Höhle durch Försters Bemühung mit Stufen und Leitern versehen worden.
(Aus: J.Chr. Rosenmüller, Die Merkwürdigkeiten der Gegenden um Muggendorf. Berlin 1804.)


Die Försterhöhle.

( G. A. Goldfuß )

Diese Höhle liegt eine Viertelstunde von Weischenfeld bey dem Dorfe Zeubach. Ehedem war sie nur mit vieler Gefahr, durch eine senkrechte Öffnung an der Spitze des kahlen Berges zu befahren, jetzt aber ist, durch Herrn Förster ein Eingang an der östlichen Seite des Berges eröffnet, so daß die Höhle auch sogar von Frauenzimmern ohne die geringste Gefahr besucht werden kann.

Oft schon haben die Naturforscher mit Schmerzen erfahren, daß die Naturmerkwürdigkeiten durch den Muthwillen und die Unwissenheit roher Menschen vernichtet wurden. Erfreulich ist es daher zu sehen, daß ein Mann, der nicht durch wissenschaftlichen Unterricht, sondern bloß durch ein inneres Gefühl für die Schönheiten der Natur, einen Teil seines Vermögens aufopfert, um Naturmerkwürdigkeiten zu erhalten und seinen Mitmenschen den Genuß derselben zu verschaffen. Dieser Mann ist der Gastwirth Förster zu Weischenfeld. Auf seine Kosten ließ er durch Bergleute den bequemen Eingang zu der, nach seinen Namen benannten Höhle, durch einen 95 Fuß dicken Kalkfelsen durcharbeiten, den Boden der Höhle ebnen und Leitern und Treppen anbringen um alle Grotten derselben zugänglich zu machen. Er ließ diese Höhle überdies mit einer Thüre verschließen, und wachet sorgsam darüber, daß sie weder ihren schönen Stalactiten, noch der daselbst gefundenen Knochen beraubt wird.

Ist man in dem engen gehauenen Gang eine Strecke fortgewandert, so wird man endlich durch ein herabhängendes Felsenstück aufgehalten, welches denselben zu verschließen scheinet. Allein plötzlich tritt man an der Seite desselben hinein in den majestätischen Dom. Ein ovales Gewölbe, welches sich zu einer Höhe von 60 Fuß erhebt, umschließt einen Raum von 80 Fuß Länge und 30 Fuß Breite. Geblendet durch die schöne Beleuchtung, die Herr Förster diesen zu geben weiß, bleibt man erstaunt am Eingange stehen. Einen diamantenen Feenpalast scheint die Natur hier gebildet zu haben. Gestaltlos und doch in unnennbar schöner Mannigfaltigkeit der Formen, hängen Tropfsteine an dem Gewölbe und den Wänden, die bald gelb, bald grau, bald weiß wie Elfenbein sind, und mit Wasser überflossen, den Glanz der Lichter mit matten Widerschein zurückwerfen. Im Hintergrunde erweitert sich das herabgesenkte Gewölbe zu einer kleinen Grotte, deren Decke durch eine Gruppe schneeweißer Tropfsteinzapfen verzieret ist. Wir treten nun, auf dem sanft abhängigen Fußboden näher hinzu uni bemerken, daß die hinterste Wand durch eine Kluft zertheilet ist, sie sich zu einer unerreichten Tiefe hinab, und einer unbekannten Höhe hinaufziehet.

Gegen die Mitte dieser Hallen sind rechts und links die Seitenwände durch eine Spalte geöffnet. Wir betreten zuerst die Seitenkluft zur Rechten und finden, daß sie sich, bey einer Breite von 5-6 Fuß, 26 Fuß in die Länge erstreckt. Einige Schritte vom Eingange beuget sich die linke Seitenwand zu einer schiefen Fläche hinüber, auf welcher das Gewölbe der Decke erst in einer Höhe von mehr als 30 Fuß aufruhet. Auf diese Weise bildet die Partie der Höhle gleichsam einen Berg, an dessen Fuß wir stehen, und auf dessen Gipfel die Wolken zu ruhen scheinen. Wir besteigen denselben auf bequemen Treppen die zur Seite eingehauen sind, und bleiben oben, unter dem geöffneten Thore einer Grotte stehen, von wo aus man auf Tropfsteinzapfen und incrustirten Knochen mancherley zahmer Thiere, noch höher hinaufklettern kann. Die Seitengrotte, in die wir nun eintreten, ist gegen 20 Schuh lang und 14 breit.Die Wände und die Decke sind hier durch Risse und Klüft gespalten und große Felsenstücke hängen von oben herein und scheinen herabzustürzen. Aber mit dem Schrecklichen hat die Natur hier das Schöne vereint. Die rauhen Klüfte bekleidet ein glänzender Tropfstein mit mancherley Arabesken, und Wasser träufelt beständig herab um neue Verzierungen anzusetzen. In einer kleinen Vertiefung am Boden sammelt sich der Überfluß des Wassers und ladet den Durstigen ein, sich zu laben. Man steiget neben dieser Wassersammlung, auf einer Leiter, zu einer engen Kluft hinauf, durch welche man sich drängen muß um das verborgenste Heiligthum der Höhle zu schauen. Dies ist eine kleine Grotte.

Sie ist mit den schönsten Stalactiten verzieret, welche noch in unbefleckter Reinheit prangen. Auf ihrem glatten Boden sind zwey Becken, die die Kunst gebildet zu haben scheint, immer mit reinem Wasser angefüllt. Laden dich deine Begleiter endlich ein, nicht länger in diesen kühlen Gewölben zu verweilen und nunmehr die Rückkehr anzutreten, so eile ihnen voran die Treppen hinab, und erwarte sie am Fuße des beschriebenen Berges. Hoch an der Decke, auf einem, gleich einer Rednerbühne, hervorstehenden Felsenstücke, siehst du jetzt eine Menschengestalt, gleich einem Berggeist aus der Felsenwand hervortreten; zu gleicher Zeit kommen, gerade unter diesem Orte, deine Gefährten aus der Grotte hervor und steigen, jeder mit seinem Licht in der Hand, schweigend die Stufen der Anhohe hinab. Nie werde ich den Eindruck vergessen, den diese Scene auf mich machte. Ich glaubte in die geheimen Gänge und Gewölbe der Pyramiden versetzt zu seyn, und einen Chor der Priester zu erblicken. Es ist der Gehülfe unseres Führers, der durch eine Schlucht auf jenen Standpunkt an der Decke hinaufklettert um die Fremden angenehm zu überraschen. Leicht gelingt es jeden ihm nachzusteigen und von oben herab, die erleuchtete Fläche des Berges zu betrachten. Wir gehen jetzt quer durch das Hauptgewölbe um die gerade gegenüberliegende geöffnete Schlucht zu besuchen.Sind wir sieben Schritte in derselben fortgewandelt, so steigen wir einige Stufen hinauf, wo eine Tropfsteinbildung, die vollkommen einem Haufen großer Cocosnüsse gleichet, den Fortgang hemmet. Die Schlucht die sich in einer Höhe von 4 Fuß noch weiter aufwärts ziehet, wird jetzt so enge, daß sie nicht weiter bestiegen werden kann. Merkwürdig aber sind die Stalactitenformen, die sich hier am Anfang der Verengung, in einer kleinen Grotte beysammen finden.

Man glaubt, in das Präparierzimmer eines Anatomen hineinzuschauen, und mancherley Eingeweide und unter diesen ein verstümmeltes Kind, an den Wänden aufgehängt zu sehen. Nun kehren wir abermahls nach dem Hauptgewölbe zurück um hier eine Knochensammlung zu betrachten, die man hier fand und sorgsam aufbewahrte. Es sind dies Gebeine von Wölfen, Hunden und Schweinen. Die ersten Untersucher der Höhle fanden hier zwey vollkommene menschliche Gerippe und Rosenmüller erhielt auch von hier Fragmente von dem Kopfe eines Höhlenbär. Der Boden der ganzen Höhle bestehet aus einer gelben lettigen Erde, welche eine Tropfsteinschale verschlossen hatte, die man aber zum Theil wegnehmen mußte, um den Platz zu ebnen und zugänglich zu machen. Allmählich verlöschen die Lichter; es wird dunkler und wir bemerken nun erst eine Öffnung, die 90 Fuß hoch an der Decke einige Lichtstrahlen hereinbrechen läßt. Dies war der alte Eingang, durch welchen man sich an Seilen herablassen mußte. Man verläßt diesen Ort mit dem Gefühle, eine der schönsten Höhlen gesehen zu haben. Den hohen Dom der Rosenmüllershöhle und die erhabenen Parthien des Schönen Steins findet man hier vereinet mit dem bequem zu besteigenden Hallen der Oswaldhöhle und den herrlichen Stalactiten der Wundershöhle.
(Aus: G.A. Goldfuß, Die Umgebungen von Muggendorf, Erlangen 1810.)


Die Försterhöhle.

(J. Heller)

Früher die Zeubachshöhle genannt; diese liegt eine kleine halbe Stunde von Weischenfeld gegen Zeubach zu, ungefähr 5 Minütchen von diesem Oertchen und 2 Stunden von Muggendorf. Sie ist ohne alle Beschwerlichkeit zu besuchen und gehört unter die vorzüglichsten Höhlen der Muggendorfer Gegend. Man findet hier einen noch höheren Stalactitendom als in der Rosenmüllershöhle, und die erhabenen Parthien des Schönsteins mit den herrlichen Tropfsteinbildungen der Wundershöhle. Der Eingang ist an der östlichen Seite des Zeubacher Bergs; auf der entgegengesetzten liegt Hannberg und eine schöne Felsenparthie, einem Schlosse ähnlich. Man geht durch einen 95 Fuß mächtigen Kalkfelsen in das innere der Höhle, wo man sogleich in das majestätische Gewölbe tritt, welches über 60 Fuß hoch, 80 Fuß lang, 30 Fuß breit ist. Sie hat die schönsten Tropfsteine in den verschiedensten Farben und Bildungen. Dann kommt man durch Seitengänge in mehrere Höhlen. Der vorzüglichste ist in der Mitte der Halle rechts, dessen Breite 6, die Länge 26 Fuß beträgt; er führt dann links auf eine Anhöhe von mehr als 30 Fuß, welche durch zweckmäßig angebrachte Staffeln leicht zu ersteigen ist. Von der Anhöhe tritt man in eine Grotte, welche, wie der ganze Weg herauf, die schönsten Tropfsteine hat. Beständig träufelt auch hier das Wasser herab, um neue Verzierungen zu bilden. Von gleichem Interesse sind die verschiedenen anderen Gänge der Höhle. Merkwürdig sind besonders einige Tropfsteine, welche die Form großer Kokosnüsse haben. Der Boden dieser Höhle besteht aus gelblettiger Erde, worin man sonst fossile Knochen fand.

Die Höhle gehört zu den Meiselischen Gasthause zu Weischenfeld und wird gerne gegen eine kleine Gabe gezeigt. Sie wird auf Verlangen mit Lichtern beleuchtet welches den Eindruck sehr erhöht und wodurch man in den Stand gesetzt ist, in dieser schönen Höhle alles genau zu betrachten und zu untersuchen. Die Verstärkung der Beleuchtung hängt von dem Wunsche des Besuchers ab, und ist nicht sehr kostspielig. - Diese Höhle war schon in der Mitte des letzten Jahrhunderts bekannt, und wurde gewöhnlich nur die Zeubacher Höhle genannt Man mußte sich von oben, wenigstens von 60 Fuß Höhe hinablassen. Esper mag wohl der erste gewesen seyn, welcher sie wissentschaftlich untersuchte und einen Bericht darüber 1778 der Baireuther Regierung vorlegte. Der Wirth Förster zu Weischenfeld, welcher so viel Liebe für Wissenschaften uns für das allgemeine Beste hatte, nahm sich dieser Höhle an, suchte sie als sein Eigenthum zu erwerben, ließ eine Leiter vom oberen Eingange herab anbringen, das Innere reinigen, und verschiedene Seitengänge erweitern.

Da aber dieser Eingang noch immer viel Beschwerliches hatte, so entschloß er sich, Bergleute kommen zu lassen um von der Seite den jetzigen Eingang in den Berg zu öffnen. Die Kosten betrugen über 300 Gulden, eine große Aufopferung für das Allgemeine, welches ein solcher Mann brachte. Mit Recht erhielt die Höhle seinen Namen. Auch sollten die Besucher derselben durch eine kleine Gabe bewirken, daß Förstern eine angemessene Gedenktafel gesetzt würde. Nach Esper theilten Nachrichten über diese Höhle mit: Arndt in seiner Reisebeschreidung S. 41; Rosenmüller in seinen Merkwürdigkeiten S. 80 (sind aus Esper entnommen); Goldfuß S. 123, wo die ausführlichste Beschreibung zu finden ist; Brandenstein S. 43 mit einer Abbildung.
(Aus: J. Heller, Muggendorf und seine Umgebungen, Bamberg 1829, Ndr. bei Palm und Enke, Erlangen 1979.)

Zur Abb. Kupferstich, von Brandenstein. Nürnberg 1814.(0riginalgröße) Aus: K.H. Bauer: Alte Höhlenansichten der Fränkischen Alb, München 1967.
In: Abhandlungen zur Karst- und Höhlenkunde, Reihe F, Heft 2.)


Die Försterhöhle.

(A, Sieghardt)

Schon lange vor der Entdeckung der Rosenmüllershöhle und der Sophienhöhle war die Försterhöhle im Zeubachtal unweit Waischenfeld eine weitbekannte Sehenswürdigkeit des Muggendorfer Gebirges, zu der die Naturforscher, in- und ausländische, von weit her gereist kamen, um ihre Tropfsteinwunder zu besichtigen. Unter dem Namen Zeubachhöhle kannte man sie bereits seit der Mitte des 17. Jhd. Sie liegt nur ein paar Minuten außerhalb des Dorfes Zeubach "war früher nur mit vieler Gefahr durch eine senkrechte Öffnung zu befahren, kann aber jetzt seit Herr Wirt Förster einen Eingang an der östlichen Seite des Berges eröffnete nun auch von Frauenzimmern ohne die geringste Besorgnis besucht werden; ihr majestätisches Gewölbe gehört unter die vorzüglichsten Höhlen der Muggendorfer Gegend und man findet in ihr einen noch höheren Stalaktitendom als in der Rosenmüllershöhle".

Also schreibt der Bamberger Geschichtsforscher Joseph Heller in seinem 1829 erschienenen "Handbuch von Muggendorf oder die Fränkische Schweiz". Dieser Wirt Förster aus Waischenfeld, der Inhaber des dortigen Maiselschen Gasthauses "Zum Roten Roß" war, hat die Zeubachhöhle, in die man sich von oben 60 Meter tief an einem Seil hinablassen mußte, durch Bergleute, die er auf seine Kosten eigens aus Böhmen kommen ließ, zugänglich gemacht und für diese Erschließungsarbeit im ganzen nicht weniger als 300 Gulden aufgewendet, eine für damalige Verhältnisse sehr hohe Summe. Als die Erschließungsarbeit beendet war, wurde die Zeubachhöhle nach ihm in "Förstershöhle" umbenannt. Erstmals untersucht wurde sie bereits im Jahre 1778 durch den Uttenreuther Pfarrer und Höhlenforscher Esper, nach dem die Esperhöhle bei Leutzdorf benannt ist. Sie zählt zum Typus der sogenannten Spaltenhöhlen. Seitengänge führen in die verschiedenen Abteilungen, die mit Namen belegt sind; man sieht da eine Wachskammer, einen Wasserfall, eine Kapelle usw., "Tropfsteine in verschiedenartigen Bindungen und Farben".

Der Wirt Förster, bei dem der deutsche Dichter und Patriot E. M. Arndt im Jahre 1798 zu Gast war, versah die Höhlen mit Treppen und Geländern; er machte selbst den Führer durch die Höhle und man erzählt sich von ihm, daß er fast sein ganzes Vermögen für deren Erschließung geopfert hat. Bei den schönsten Tropfsteingebilden hatte er stets Kerzen aufgestellt. "Wenn diese brannten, war man geblendet von der Schönheit des diamantenen unterirdischen Feen-Palast. Die rauhen Klüfte bekleiden glänzende Tropfsteinzapfen mit Arabesken, und herabträufelndes Wasser setzt immer neue Verzierungen an. Das verborgenste Heiligthum der Höhle ist eine kleine Grotte, in der die schönsten Stalaktiten in unbefleckter Reinheit prangen. Hoch an der Decke sieht man auf einem Felsenstück eine felsige Gestalt, gleich einem Berggeist, aus der Felswand heraustreten. Man glaubt in die geheimen Gänge der Pyramiden versetzt zu sein. Nie werde ich diesen erhabenen Anblick vergessen".


Bayrisches Königspaar in der Försterhöhle.

So schreibt der aus Thurnau gebürtige Naturforscher Dr. August Goldfuß von der Försterhöhle in seinem 1810 in Erlangen erschienen Taschenbuch "Die Umgebungen von Muggendorf": Er bestaunt die in der Höhle liegenden "überkrusteten Knochen von Wölfen, Hunden und Schweinen, - man glaubt, in das Präparierzimmer eines Anatomen hineinzuschauen und Eingeweide an den Wänden hängen zu sehen." Er berichtet auch von zwei menschlichen Gerippen, die in der Höhle gefunden wurden. Heller vergleicht einige der Tropfsteine mit großen Kokosnüssen und verweist auf den Bericht, den Esper im Jahre 1778 über seine Beobachtungen in der Försterhöhle der Bayreuther Regierung vorlegen mußte. Als seine Entdeckungen in der Öffentlichkeit bekannt wurden, kamen zahlreiche Neugierige aus Bayreuth und Bamberg nach Waischenfeld, um sich die Höhle anzuschauen. Ein Fremdenstrom zur Försterhöhle setzte aber erst ein, als sie der Wirt Förster, "ein Mann mit viel Liebe für die Wissenschaften", dem allgemeinen Verkehr zugänglich gemacht hatte. Manche der Besucher haben sich damals in der Höhle durch Namensanbringungen in den Felswänden verewigt. Als im Juni 1830 König Ludwig I. und Königin Therese von Bayern als Gäste der gräflichen Familie von Schönborn - Wiesentheid auf der Burg Rabenstein weilten und von der Schönheit der Försterhöhle erfuhren, da entschlossen sie sich zu einem Besuch derselben, gemeinsam mit dem Grafen von Schönborn.

Das Königspaar war von dem Geschehen hoch befriedigt, und die Waischenfelder und Zeubacher beschlossen, aus Freude über den Königlichen Besuch, die Försterhöhle in "Ludwigshöhle" umzubenennen. Diese neue Bezeichnung bürgerte sich aber in keiner Weise ein, man hielt vielmehr an der alten Bezeichnung "Försterhöhle" fest, und das war auch gerecht, denn der Waischenfelder Wirt Förster hatte diese Ehrung voll verdient. In ihrer vollen Ausdehnung ist die Försterhöhle übrigens noch nicht erforscht. Leider wurden besonders schöne Tropfsteingebilde abgeschlagen und als Andenken mitgenommen. Der Wiederzugänglichmachung der Höhle würde eine willkommene Förderung des Fremdenverkehrs in und um Waischenfeld bedeuten.

(Aus. A. Sieghardt, Fränkische Schweiz, 3.Auflage, Nürnberg 1971.)


Der Lehlitzer Anger bey Weischenfeld

(Goldfuß)

Ich war im vergangenen Jahr so glücklich, auf dem Lehlitzer Anger bey Weischenfeld nahe bey dem Orte, wo man die Bracteaten fand, eine Anzahl von 30 Grabhügeln zu entdecken, die auf einem Platze von 500 Schritten im Umgang nahe aneinander lagen. Sie waren, wie die auf dem Mistelgauer Anger von verschiedener Größe, hatten 6-14 Schuhe im Durchmesser und 5-6 Fuß Höhe. Sie bestanden aus einer halbkugelförmigen Anhäufung einer lockeren gelben, sandigen Erde und hatten sich oben auf ihrer Mitte trichterförmig eingesenkt. Einen der größten, der 60 Schritte im Umfang hatte, untersuchte ich genauer, indem ich von drey verschiedenen Seiten einen horizontalen, 4 Fuß breiten Gang, von seinem Fuß bis zum Mittelpuncte ausgraben ließ. 4 Fuß innerhalb des Hügels stieß ich auf eine Reihe aufgestellter, mehrere Schuh hoher Steine, die, wie ich nachher bestätigt fand, den innern Raum gleich einer Mauer zirkelförmig einschlossen.

Innerhalb dieser Einfassung fand ich an 8 verschiedenen Stellen, Urnentrümmer nebst angebrannten Knochen und Asche. Sie lagen allzeit zwischen einigen großen Steinen, die wahrscheinlich wie ein Dach über der Urne aneinander gestellt waren. Im Mittelpunkt des Hügels zeigte sich ein Haufen großer Steine unter denen Scherben lagen, die durch Dicke, Größe und Form auf einen ganz besonderen Aschenkrug schließen ließen. Die großen darüberliegenden Steine hatten wahrscheinlich ein kleines Gewölbe gebildet in dem die Asche des Familienvaters beygesetzt war, welches nach und nach einstürzte und die Vertiefung auf der Spitze des Hügels veranlaßte. Gegen Norden fand ich ein Steinlager, welches sich von der steinern Mauer bis zum Mittelpuncte erstreckte und mit welchem eine Lage Kohlen zugedeckt war. Es war dies ohne Zweifel die Stelle, auf welcher der Leichnam verbrannt wurde. Die innerhalb des Gewölbes gefundene Urne scheint oben und unten fast von gleicher Dicke, und also beynahe cylindrisch gewesen zu seyn. Die Scherben sind dick und roh gearbeitet, als wären sie bloß mit den Händen geformt und die Masse ist ein rother Thon mit vielen Kalkspatkörnern vermischt. Die übrigen gefundenen Scherben bildeten Urnen, welche die meisten die oben beschriebene Form hatten. Die meisten haben auf ihrer innern Oberfläche eine glatte Politur und sind außerhalb mit einem Uberzug von Reißbley versehen. Verschiedene Scherben zeigen, daß es andere Aschenkrüge gab, dessen Hals nur ein schmaler umgebogener Rand war, einige waren mit eingedrückten Linien verzieret, andere aber ganz glatt, einige hatten kleine Handhaben, andere nicht. Die Masse ist ein aschgrauer Thon mit vielen Kalkspatkörner durchknetet, welche Beymischung beweiset, daß die Urnen nur getrocknet und nicht gebrannt wurden. Daher kommt es auch, daß sich viele Stücke ganz wieder zu Erde auflösten und daß man noch keine vollkommen erhaltene finden konnte.

In den Grabhügeln bey Mistelgau fand man auch zuweilen Kopf-und Armringe von Erz, bisweilen mehrere beysammen, bisweilen nur einzelne. Diese Ringe sind teils glatt, teils mit vertieften Rillen und Linien verzieret. Außerdem fand man auch Spangen von Erz, welche zum Zusammenhalten von Kleidern gedient haben mochten und Stücke eines Gürtels von Erz, denen sehr ähnlich, welche noch vor kurzem unsere Bäuerinnen um die Lenden trugen. Waffen traf man nie in diesen Gräbern, nur sehr selten wurde eine dicke, stumpfe Stachel gefunden, gleich den Stacheln mit denen die Spazierstöcke beschlagen werden.


Bracteatenfund auf dem Lehlitzer Anger.


(Goldfuß)

....Sowohl hier wie auch innerhalb des Bezirkes auf dem Lehlitzer Anger fand man 6-7 verschieden Sorten Münzen von dünnen Silberblech.Die Größte ist von der Größe eines 12-Kreutzer Stückes. Es ist nur die eine Seite geprägt; die andere zeiget die Vertiefung des eingeschlagenen Stempels. Das Gepräge stellt einen unförmigen Kopf dar, über welchem eine Brücke stehet, auf der sich ein Häuschen, wahrscheinlich das Bild einer Kapelle, zwischen zwey Lilien befindet. Eine zweyte Sorte dieser Münzen ist von der Größe eines Kreuzes und hat das eingeschlagene Gepräge eines Kopfes, mir einer Sturmhaube. In der Unterschrift mit alten lateinischen Buchstaben, ist das Wort Luitpoldus zu lesen. Das Gepräge einer dritten Münze stellt auf einer Seite in der Mitte einen stark gelockten Kopf dar, über welchem sich ein Kreuz und einige Sterne und an beyden Seiten, sowie unter dem Kinne, drey Lilien befinden. Der fast unkenntlichte Abdruck der andern Seite scheinet eine weibliche Figur mit ausgestrecktem Arme zu seyn. Ein Stern und einige lange Figuren, die Knochen darzustellen zu scheinen, stehen unterhalb des Armes.

Eine vierte hier gefundene Münzsorte hat bereits Döderlin beschrieben und abgebildet. Die eine Seite stellt ein weibliches Brustbild dar welches die Hände in die Höhe hält und in der rechten Hand ein Kreuz trägt. Die Figuren der andern Seite scheinen die Fronte einer Kirche, mit zwey Thürmchen zu beyden Seiten darzustellen. Von dieser Münze fand man auf einer einzigen Stelle des Lehlitzer Angers eine solche Menge, daß man mehrere Maaßkrüge damit anfüllen könnte. Esper giebt noch Nachricht von einer Münze, die wie ein Schüsselchen auf einer Seite erhaben, auf der andern Seite hohl, und mit Zinn unterlegt gewesen seyn soll, und von einer andern, auf der eine Hand und ein Kreuz stand. Alle diese Münzen sind offenbar aus der christlichen Zeit, vielleicht zur Zeit der Einweihung der neuen christlichen Kirchen geschlagen worden. Die Münze mit der Umschrift Luitpoldus stammt wahrscheinlich von dem Markgrafen der sorbischen Grenze dieses Namens her, welcher 907 in einem Treffen gegen die Ungarn erschlagen wurde. Von seinem Sohne Arnulf, unter welchem diese Mark mit dem Herzogthume Bayern verbunden wurde, ist es bekannt, daß er das Münzregale besaß. Aehnliche Blechmünzen grub man vor einigen Jahren in der Gegend von Thurnau und vor längerer Zeit in Altdorf aus, welche letzterer der Pfarrer Würfel in einer eigenen Abhandlung 1761, und in den historischen Nachrichten von bay. Münzen beschrieb. In dem sogenannten Heidentempel fand man auch eine römische Münze, deren eine Seite ein Ruderschiff mit der Unterschrift ROMA die andere aber einen Januskopf darstellet.

Der Lölitzer oder Leelitzer Anger.

(Heller)

Gewöhnlich nur die Landsgemein genannt, liegt auf einer Anhöhe, ½ Stunde von Weischenfeld gegen den Bischofswald zu, zwischen Löhlitz und Neusig. Es befanden sich daselbst viele und große wendische Grabhügel, von welchen in neuerer Zeit mehrere geöffnet wurden, so daß 1822 nur noch zehn vollständige da waren. Dr. Binkel aus Dänemark stellte 1820 zuerst Nachgrabungen an, dann Goldfuß und mehrere andere. Die Ausbeuten waren gewöhnlich Urnen, Menschenknochen, metallene Gegenstände, besonders Haarnadeln, Kopf,-Ohren und Armringe. Sonst war dieser Anger mit Eichen bewachsen, welche der Gemeinde Weischenfeld gehörten. Daher kommt der Name Landsgemein. In dem naheliegenden Walde trifft man noch Reste von der Hollomannskirche an, wo sonst die Heiden geopfert haben sollen.

(Aus: J. Heller. Muggendorf und seine Umgebungen, Bamberg 1829. Nachdruck bei Palm und Enke, Erlangen 1979.)

Die Nankendorfer Höle.

(Goldfuß)

Eine halbe Stunde von Weischenfeld, bey Nankendorf zeigte mit Herr Förster eine artige Höl. Ihr Eingang ist an der östlichen Felsenwand des Thales, bey den letzten Häusern des Dorfes. Die Grotte ist niedrig, gegen 8-10 Schritte weit und enthält ein, gleichsam nach Regeln der Kunst von dem Tropfsteine gebildetes Wasserbecken. Dieses mag 6 Fuß im Durchmesser haben, hat einen schönen kanelierten Rand und ist immer mit 6 Zoll tiefem Wasser angefüllt. In dessen Mitte erhebt sich ein Tropfsteinzapfen, auf welchen das Wasser, wie ein kleiner Brunnen, von der Decke herab rinnet.
(Aus: Gg.A. Goldfuß. Die Umgebungen von Muggendorf, Erlangen 1810.)

Die Nankendorfer Höhle mit dem Brunnen.

(Heller)

Sie liegt bei Nankendorf ostwärts an dem Berg, wo sich unten der Weg von Löhlitz herein, und der Fuhrweg nach Plankenfels hinzieht. Bei dem letzten Hause des Ortes geht man ungefähr bis zur Hälfte des Berges hinauf, dann kommt man an einen Felsen mit einer geräumigen Öffnung, welche den Eingang zur Höhle bildet. Ist man einige Schritte hineingetreten, so wird sie sehr geräumig; man gewahret hier zwey Hauptabteilungen. Rechts führt ein Gang in eine Grotte, wo man meistens gebückt gehen muß. Sie ist 50 Fuß lang, und fast am Ende befindet sich ein Wasserbecken von Tropfsteinen, in dessen Mitte Stalaktitenzapfen von der Decke herabhängen, von welchen beständig sehr viel Wasser abtropfet. Der andere Hauptgang der Höhle zieht sich in gerader Richtung in den Berg hinein, dann aber etwas links. Die Länge des Hauptganges mag 80 Schuh betragen. An den Seiten trifft man noch mehrere große Grotten und einige Gänge an, welche aber zum Teil verschottet sind. Würde man sie ausräumen, so könnt sich noch manches Schöne darin entdecken. Der Wirth Teufel begleitet jeden gerne in diese Höhle, so daß es dort zum Sprichwort geworden ist, zu Nankendorf kann man den Teufel in der Hölle sehen. Diese Höhle erwähnt Goldfuß S. 130, jedoch nur die Grotte mit dem Brunnen.
Nankendorfer Höhle, die Hohe.
(Heller)

Sie liegt in der Nähe des Ortes gegen Westen an einem Wege, welcher über Felder gegen Breitenlesau zu führt. An einem Felsen, und zwar ungefähr im zweyten Drittheil seiner Höhe, ist eine große öffnung, durch welche man in die Höhle gelangt. Um dabin zu kommen, muß man eine Leiter von wenigstens 40 Schuh Länge haben. Dieser erste Eingang ist ungefähr 38 Schuh lang und 10 Schuh hoch. Will man in die eigentliche Höhle, so muß man wieder eine 12 Schuh lange Leiter anlegen. Diese Höhle ist 86 Schuh lang, hat eine Grotte mit Tropfsteinen, und ist inwendig überall sehr geräumig.
(Aus: J.Heller, Muggendorf und seine Umgebungen, Bamberg 1829. Ndr. bei Palm und Enke, Erlangen 1979. S. 122-123.)


Die Rabenecker Höhle

(Heller)

Diese liegt unter dem Schlosse Rabeneck gegen Weischenfeld zu. Ihr Eingang ist ungefähr auf der halben Höhe des Felsens, auf welchem das Schloß steht. Man bemerkt hier ein kleines Loch, welches in die Tiefe führt; um dahin zu gelangen, braucht man eine 7 Schuh hohe Leiter. Ist man in dieser Tiefe, so geht man einige Schritte gerade fort, dann etwas seitwärts und findet eine sich gerade hinab ziehende Höhle von ungefähr 28 Schuh Länge mit schönen Tropfsteinen. Ueber dieser Höhle rechts kommt man in eine andere, welche ungefähr 30 Schuh lang ist, und eine kleine Grotte hat. Zunächst derselben zieht sich eine kleine Oeffnung weiter rechts hin. Außerhalb der Höhle ober dem Eingange befindet sich unter dem Schlosse eine schöne Felsengrotte, von welcher man eine hübsche Ansicht über das Thal hat. Das Thal von Weischenfeld gegen Rabeneck zieht sich in einem immer gleich schönen Charakter fort. Ganz wildromantisch und ausgezeichnet schön ist die Parthie vor dem Schlosse Rabeneck, mit seinen auf Felsen ruhenden alterthümlichen Gebäuden. Hier vertauscht das Wiesenttbal seinen Namen und heißt vom Rabeneck bis zum Thoos das Rabenecker Thal.


Die hohe Rabenecker Höhle

Im Wiesenttale zwischen Waischenfeld und Doos erhebt sich auf senkrecht abfallenden Dolomitfelsen die stolze Ruine Rabeneck. Am Fuße derselben gegen Westen gelegen, befindet sich der nur mit einer Leiter erreichbare Eingang zur Höhle; derselbe besteht in einem kleinen, felsenumschlossenen Vorraum, von welchem aus man durch den vier Meter tiefen, senkrechten Abstieg nach rechtwinkeliger Umbiegung in den eigentlichen Höhlenraum gelangt. Durch zwei Einengungen ist die Höhle in 2 Abschnitte geteilt. Sie endigt in einem schmalen, 9 Meter langen Spalten-Gang mit WSW-ONO Richtung - ist also parallel einer der Kluftrichtungen im Gebiet des fränkischen Jura.

Die Höhle gehört vorwiegend zum Typus der Spaltenhöhlen, wenngleich der 8 Meter breite Hauptraum die Spalten, aus deren Erweiterung die Höhle sich bildete, nicht mehr deutlich erkenne läßt, so daß dieser Teil der Höhle einer Zerklüftungshöhle gleicht. Die gesamte Flächenausdehnung beträgt nur 17 Meter in der Länge und 8 Meter in der Höhe.
(Aus: Adalbert Neischl. Die Höhlen der Fränkischen Schweiz und die Bedeutung für die Entstehung der dortigen Täler. Nürnberg 1904.)


Die Försterhöhle

(A. Neischl)

Östlich Waischenfeld im Zeubachtale, 200 Meter vor dem Dorfe Zeubach, liegt im unteren Drittel des nördlichen Hanges, nahe der Randverwerfung der Eingang zur Försterhöhle, im Volksmund auch Zeubach-Höhle genannt. Durch den 18 Meter langen, zum Teil unter Benützung einer Felsenspalte künstlich geschaffenen, schmalen Gang kommen wir in ein domartiges Gewölbe, das von oben durch den früheren, nätürlichen Eingang mäßig erhellt wird. Den Boden dieser Halle bedecken zum Teil noch die hereingeworfenen Steine. Die Wände des Domes sind mit Tropfsteinbildungen mannigfachster Art reichlich überzogen. Doch haben hier auch schon Menschenhände den Hauptschmuck der Höhle geraubt, wie die überall abgeschlagenen Tropfsteinbildungen zeigen. Von hier zweigen zwei Gänge ab; der nach SSO ziehende endigt nach 12 Meter Länge in einem sogenannten versteinerten Wasserfall. Bedeutender jedoch ist die parallel der ersteren weiter westlich gelegene, nach NNW führende Abzweigung. Schon nach 9 Metern betreten wir einen größeren Raum, in welchem früher nach Fossilien gegraben worden ist.

Der in diesem 2aume vorhandene Höhlenlehm ist mit einer Sinterdecke überzogen. Hier kreuzen senkrecht mehrere von ONO nach WSW streichende Platten. Aus einer derselben ist der hintere Teil der Höhle hervorgegangen. Die Steinstufen hinaufsteigend erreichen wir den höchsten Punkt der Höhlensohle an deren Nordende sich ein Wasserbecken befindet. Hier beobachtet man in der Decke mehrere Spalten, welche untereinander parallel in ONO-WSW Richtung verlaufen. In der größten derselben sind wir etwa 10 Meter aufwärts geklettert. Meine beiden Mitarbeiter Reger und Deinlein haben sich mit Hilfe von Hammer und Meisel etwa 18 Meter noch weiter schräg aufwärts Bahn zu brechen vermocht. Sie haben noch drei größere Höhlenräume in dieser Höhle erreicht, deren Boden reichlich mit Höhlenlehm und stellenweise mit Sinterkrusten bedeckt ist. Die schmalem Spaltengänge der Försterhöhle sind also hauptsächlich nach ONO -WSW gerichtet, zum Teil aber auch verlaufen sie von NNW-SSO. Die Spalten stehen auch hier nie senkrecht aufeinander. Die letztgenannte Spaltenrichtung läuft der Randverwerfung parallel.

Die Försterhöhle ist als Typus einer Spaltenhöhle anzusehen. Die Entstehung der Spalten ist auf die nahe vorbeistreichende Randverwerfung zurückzuführen. Denn die Erschütterungen beim Abbruch des Juragebirges längs dieser Verwerfungslinie haben die Spalten, aus welchem sich die Höhle bildete, geschaffen. Die Höhle muß demnächst jünger sein als die Randverwerfung, sonst wäre sie unbedingt infolge der Erschütterungen, welche durch den Abbruch des Juragebirges bedingt wurden, eingestürzt. Die Räume der Höhle verteilen sich auf eine Fläche von 55 m Länge 31 m Breite; die Höhe der Höhle erreicht 20 m.
(Aus: Adalbert Neischl. Die Höhlen der Fränkischen Schweiz........., Nürnberg 1904.)


Anhang: Die Sophienhöhle bei Rabenstein


von Brigitte Kaulich (Aus: Vom Land im Gebirg zur Fränkischen Schweiz, FSV 8, Erlangen 1992)

Auch die Höhlen des Ailshachtales erregen schon früh die Aufmerksamkeit von Reisenden, Künstlern und Forschern. Auf die Versuche, 1490 in der damals noch Ahornloch genannten Vorhalle der Sophienhöhle Salpeter zu gewinnen, wurde bereits hingewiesen (S.170). Esper (1774, S. 143) kennt den Eingangsraum der späteren Sophienhöhle ebenfalls. An dem Ausgang des Thals ... kommt noch eine Grotte, welche vermuttlich, weil Schlösser und Orte und adeliche Geschlechter dorten ihre Namen von Raben erhalten, das Rabenloch heißt. Es geht ein ungeheueres Thor in dieselbe, die Hauptgruft ist eben so weit. Man hat bey dem Eintritte drey dergleichen grosse Eingänge vor sich, von deren jedem man aber nach einigen Schritten das Ende erreicht. Sie ist die ansehnlichste Grotte auf diesem Gebürge. Sie hat ebenfalls sehr viel Ebor fossile vor Zeiten gehabt. Die leeren Gruben, wo man solches gesucht, sind wie in den übrigen, sonsten aber von Erheblichkeit gar nichts vorhanden. Esper wußte eben noch nicht, was für großartige Räume noch im Berg verborgen waren! Daß mit dem "Rabenloch« wirklich der Eingang der Sophienhöhle gemeint ist, und nicht, wie bei späteren Autoren, die Ludwigshöhle, zeigt der nächste Satz. Gerade gegenüber ist das sogenannte Kühlocb gelegen. Diese Höhle ist, wie man sagt, mit denen übrigen von gleichem Schlag. Mich reute die Mühe, um nichts willen die grausende Präcipisse zu ersteigen. Es soll sich Wasser in derselben befinden, wovon ein Brunnen dreyviertel Stunden davon, an dem Fuß eines Berges hervorquillt.

Bei anderen heißt das Ahornloch dann, wegen seiner Lage unter der Klausstein-Kapelle, Klaussteiner Höhle. Besonders eindrucksvoll beschreibt dies Goldfuß (1810, S. 114 f.): Die Felsenmasse ist da, wo sie die Hälfte ihrer Höhe erreicht hat, zu einem Halbzirkel eingebogen, dessen Krümmung einige hundert Schuhe betragen mag. Durch einen steilen Pfad gelanget man zu dem grünen Platz, welchen der Felsen umschließt, und gewahret nun, unter einem Ueberhange desselben, die zwey Eingänge zur Klaussteiner Höle. Ringsum von Spuren der Verwüstung umgeben, wagt man sich schüchtern in diese Schlünde, in deren Innerem die Natur ihre Werkstätte mit Nacht und Grausen dem menschlichen Auge verhüllte. Nachdem er die einzelnen Räume mit ihren Felspfeilern ausführlich gewürdigt hat, geht Goldfuß auf die Beschaffenheit des Bodens ein: Der Boden dieser Gemächer bestehet aus einem lockern, gelben Sand.... In diesem Sande fand man sonst Gebeine verschiedener zahmen Thieren. Die Knochen des Hölenbären, welche Esper dort fand, sind wahrscheinlich von Menschen dahin versetzt worden, um dem eifrigen Naturforscher durch einen glücklichen Fund eine Freude zu machen.... In der ganzen Höle findet sich keine Spur von Tropfsteinen; wahrscheinlich deßwegen, weil die, über der Höle stehende, Kapelle das Eindringen des Regenwassers hindert. Das Fehlen jeglichen Sinterschmucks dürfte auf die Nutzung der Höhle zur Salpetergewinnung zurückzuführen sein. Die Bemerkung, man habe nur Haustierknochen gefunden, zeigt wohl nur, wie stark die Höhlensedimente damals schon durchwühlt gewesen sein müssen. Auch Esper hatte ja schon die vielen Grabungslöcher beschrieben. Die Haustiere darf man wohl mit einer Nutzung der weiten Vorhöhle in vorgeschichtlicher Zeit in Zusammenhang bringen, deren Spuren aber bereits von den Ausgräbern der »Einhornzähne« weitgehend zerstört worden sein müssen. Zwar konnte Gümbel noch Scherben und Bronzeschmuck vom Schuttkegel vor der Höhle auflesen, barg Chr. Hösch hier vor 1837 Funde, die wohl der Hallstatt- oder Latenezeit angehört haben (Schwarz 1955, S. 136 f.), doch was der vorgeschichtliche Mensch hier wirklich suchte, wird nie mehr zu erfahren sein.

Die Entdeckung weiterer Räume machte die Klaussteiner Höhle dann schlagartig berühmt. Der gräflich von Schönbornsche Kunstgärtner Michael Anton Koch wollte am 16. und 18. Februar 1833 im Südosten der Höhle einen neuen Ausgang anlegen lassen. Nach der Durchschlagung einer Sinterdecke stieß er auf fossile Knochen. Einige davon wurden aufgesammelt und waren noch lange Zeit als Raritäten in Schloß Rabenstein zu sehen. Nachdem er unter dieser Sinterdecke hindurch in einen kleinen Raum gekrochen war, der, im Gegensatz zu den alten Höhlenteilen, mit Sinterformen ausgestattet war, veranlaßte ihn ein heftiger Luftzug, durch einen Spalt weiter in den Berg vorzudringen (Wagner 1833, S. 313 ff.). Der Erfolg davon war, die Entdeckung einer ansehnlichen Höhle, deren Wände, Decke und Boden mit sehr schönen, zum Theil blendend weissen Stalaktiten und Tropfsteinen bedeckt sind. In der Tiefe auf dem Boden befindet sich eine Anzahl Schädel, Geweihe und andere Knochen von einer verhältnißmäßig nur dünnen Sinterkruste überzogen, zum Theil auch fast ganz enttlöst und durch überhängende Felsen geschützt. Vorzüglich sind es Schädel, auf das Vollkommenste mit Zähnen und allen Fortsätzen erhalten, welche die Oberfläche eines sich wahrscheinlich weit in die Tiefe erstreckenden Knochenlagers bedecken, und sich dem staunenden Beobachter darstellen. Von hier aus gelangt man in eine kleinere, dann wieder in eine weit beträchtlichere, domartig gewölbte Höhle, welche wohl die größte des Gebirgs seyn dürfte und die noch in verschiedene Gänge und Seitenklüfte führt, und wahrscheinlich noch mit weiteren Höhlen in dem vielfach zerklüfteten Gebirge in Verbindung steht. Der tiefste bis jetzt erreichte Theil ist 1400 Fuß vom Eingang entfernt. In den letzteren Abtheilungen hat man bis jetzt keine urweltlichen Reste gefunden; alle Höhlen liegen im Dolomit.

Wagner untersucht die meist vollständigen Schädel und stellt fest, daß es sich um Höhlenbären handelt. Daneben beschreibt er Hirschgeweihe in beträchtlicher Zahl und von 3 bis 4 Fuß Länge. Auch die lose im ersten Höhlenraum liegenden Knochen stammen vom Höhlenbären. Wagner vermerkt noch . . . Schädel und Schulterblatt vom Höhlenwolf (Canis spelaeus). Von andern fleisckfressenden Thieren, namentlich dem Höhlenlöwen, der Hyäne, die in England so häufig, sparsam auch in der Gailenreuther Höhle vorkam, bemerkte ich keine Spur; nur der Unterkiefer einer Katze . . . offenbar postdiluvianischen Ursprungs . . . lag bey den Knochen. Wirklich fossil dagegen ist der Unterkiefer eines Schweins, und zwar, wie die Zahnbildung zeigt, von einem jungen Thiere. Die herausgenommenen Fragmente von Geweihen sind theils unvollständig, theils so mit Sinter überzogen, daß sie nicht ohne genauere Vergleichung bestimmt werden können. Vielleicht dürften sie dem Rennthiere ähnlich seyn, womit auch Röhrentnochen, zur Mittelhand gehörig, übereinstimmen, die offenbar von einem hirschartigen Thiere sind, aber verschieden von unseren einheimischen Hirscharten.

Die Höhle soll auf Befehl des Grafen Schönborn möglichst in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten werden. Wagner lobt diese Absicht: ... hierdurch würde allerdings dieselbe zu den interessantesten und besuchenswerthesten gehören; jeder Naturforscher könnte sich noch später von den eigenthümlichen Lagerungsverhältnissen überzeugen, ein Vorzug, den diese Höhle vor allen ähnlichen voraus hätte, welche bereits theils durch den regen Forschungsgeist der Entdecker und der später besuchenden Geologen durchsucht, theils durch die Gier der Sammier zerstört worden. Nimmt man die zu den schönen innern Verhältnissen, den reichen Tropfsteinverzierungen, der höchst bequemen Einfahrt, denn sie kann sehr leicht überall

in aufrechter Stellung und fast ohne alle Treppen gangbar gemacht werden, - der pittoresken nächsten Umgebung, der schönen Fernsicht auf den benachbarten Felsen, so ist es keine Frage, daß diese Höhle nicht bloß die wichtigste und schönste des Muggendorfer Gebirges, sondern wohl von Deutschland werden kann.

Eingedenk des Schicksals früherer Fossilfunde aus den Höhlen der Fränkischen Schweiz richtet Wagner aber dann doch noch einen dringenden Appell an die Verantwortlichen des Höhlenausbaus: Sollten noch mehr Lager entdeckt, und diese Reste dann herausgenommen werden, so dürften vielleicht die Sammlungen des Staats hoffen, namentlich die der königlichen Akademie der Wissenschaften in München und die unserer Universität, ihre Lücken ausgefüllt zu sehen, und nicht wie früher das Schicksal zu haben, leer auszugehen, während Privatsammlungen des In- und Auslandes die schönsten und seltensten der im Vaterland gefundenen Gegenstände davon trugen. Schließlich hatten der Engländer Hunter und nach ihm Egerton und Cole nicht nur Knochen aus der Zoolithenhöhle, sondern auch aus der gegenüberliegenden Ludwigshöhle nach London fortgeschafft!

Diesem doch fast nüchtern-wissenschaftlichen Artikel Wagners ging, ebenfalls in den Bayerischen Annalen, ein wesentlich euphorischerer Bericht von Johann Wilhelm Holle voraus mit dem Titel: Die neu entdeckte Kochshöhle oder die Höhlenkönigin im königl. Landgerichte Hollfeld=Waischenfeld. (Holle 1833, 197f.). Hier erfährt man: Am Klaussteine unweit der Burg Rabenstein, wo der kurze Aufentbalt unseres allergnädigsten Herrscherpaares im Sommer des Jahres 1829 noch im fröhlichen Andenken der treuen Gebirgsbewohner ist, hat der Gräflich v. Schönborn’sche Kunstgärtner Koch von Pommersfelden bey Gelegenheit der zu verschönernden Anlagen vor Kurzem eine äußerst merkwürdige Höhle entdeckt, welche nach der Versicherung desselben, der doch auf seinen Reisen mit dem Herrn Reichsrathe Grafen v. Schönborn die berühmtesten Höhlen in Europa gesehen hat, mit diesen in Hinsicht ihrer Schönheit und Größe über allen Vergleich steht. Die Bewohner der Gegend nennen sie die Kochshöhle nach ihrem Erfinder, dieser aber gab ihr der außerordentlichen Merkwürdigkeit wegen den Namen Höhlenkönigin.

Dieselbe bildet vier, unter sich zusammen hängende, jedoch ganz verschiedene Hauptabtheilungen. Die erste derselben, welche gleichsam den schönen Vorhof zum Heiligthume bildet, ist der im J. 1829 mit einer Marmortafel, Königskrone und goldenen Inschrift gezierten Ludwigshöhle ähnlich, jedoch 3-4 Mal größer; am linken Ende oben steht ein ganz von Tropfsteinen gebildetes Orchester, worauf 50 Musiker einen bequemen Raum einnehmen würden; von demselben führt ein ganz schmaler, 8-10 Fuß langer Gang in einen weiteren Raum; dann muß man ungefähr 40 Fuß abwärts steigen, um in die zweyte Hauptabtheilung zu kommen

Hier scheint die Natur ein ganzes Füllhorn von Schönheit ausgegossen zu haben. Die Wände sind blendend weiß, wie vom feinsten Alabaster überzogen; in der Mitte von der Decke herab haben sich Vorhänge von Tropfsteinen gebildet, von welchen die Rände gesäumt zu seyn scheinen. Wasserfälle von 30-36 Fuß entladen sich auf der rechten Seite; auf dem Boden liegen unzählbare, kegelförmige, schwarzgraue Tropfsteine und ganz versteinerte Thiere, z. B. Eisbären und Renthiere, auch Knochen von anderen Thieren der Urwelt, von Raubthieren und Grasfressern, welche wahrscheinlich bey der schnell herein gebrochenen Fluth und der dringendsten Lebensgefahr zufällig da einen Zufluchtsort fanden, ihrer angebornen Todtfeindschaft vergessend, und - so zu sagen -fromm, entweder durch Wasser und Hunger umkamen, oder letztere von den ersteren gefressen wurden.

Geht man wieder 36-40 Fuß aufwärts, so zeigt sich die dritte Abtheilung dem staunenden Auge. Das Wasser schießt gleich Bächen von den glänzenden Wänden, und auf dem Boden bilden sich mehrere Bassins von Tropfsteinen von der verschiedensten, runden, drey- und viereckigen Form, und man ist von ganz reinem, klarem Wasser eingeschlossen, an manchen Stellen 4-5 Fuß, meistens aber nur einige Zoll tief. Rechts liegen runde Kugeln von Tropfsteinen, wie Billardballen, andere von der Gestalt eines Tauben-, Hühner- oder Gänse-Eyes; rechts aber steht auf alabasternem Boden ganz frey ein weisser Tropfstein, in Form eines Kegels, im untern Durchmesser 7 Fuß, und eine Höhe von 10’ haltend. Man hat bisher noch keinen von solcher Größe und Schönheit gefunden, und er ist die Zierde der Höhle. Von da aus gelangt man durch einen ganz engen Gang in die vierte Hauptabtheilung.

Daselbst bieten sich dem Auge einige, ganz von den vorigen verschiedene Parthien dar; in der Mitte liegen 5 ungeheure Felsen; . . . an den Wänden aber sind ganz schwarze, verschiedene Figuren bildende Tropfsteine. Diese Abtheilung ist so groß, daß der Gärtner Koch hier verschiedene Spaziergänge, wie in einem Garten, anlegen, das Ganze aber auf Befehl des erlauchten Herrn Grafen v. Schönborn mit einem wohlverwahrten Thore verschließen wird zum Schutze gegen unberufene Sammler.

Am 21.6.1833 besuchte dann Graf Franz Erwein von Schönborn-Wiesentheid mit seinem ältesten Sohn Erwin und dessen Gattin Sophie (geb. Gräfin zu Eltz) die Höhle und nannte sie, seiner Schwiegertochter zu Ehren, Sophienhöhle (Heller 1842, S. 183). Anschließend ließ er sie mit Treppen- und Weganlagen versehen. Seit dieser Zeit war die Höhle immer verschlossen und diente als Schauhöhle. Lange behielt man die Beleuchtung mit Karbidlampen bei, erst 1971 wurde die Höhle mit elektrischem Licht ausgestattet. Während der Name Kochshöhle bereits um 1840 verschwand, hielt sich die Bezeichnung Klaussteiner Höhle bis etwa 1900 neben dem Namen Sophienhöhle.

Im Jahre 1856 erschien dann eine Mappe mit 3 Lithographien von Theodor Rothbart, die die drei Hauptabteilungen der Sophienhöhle darstellen. Zwei Textseiten erläutern die Aufzeichnung der interessantesten Gegenstände der Sophienhöhle bei Rabenstein in der fränkischen Schweiz. Es ist erstaunlich, daß sich keiner der anderen Künstler, die damals die Höhlen der Fränkischen Schweiz abbildeten, der »Höhlenkönigin« zuwandte. Eine erste Vermessung der Sophienhöhle bei Rabenstein (B 27) erfolgte dann durch A. Neischl im Jahre 1902. Dabei wurde eine Gesamtganglänge von 284 m ermittelt, bei der aber einige, z. T. erst später zugänglich gemachte Seitengänge, noch unberücksichtigt blieben. Die Höhle weist heute drei Haupthallen mit einigen Nebenkammern auf, die durch Gänge miteinander verbunden sind. Besonders in der dritten Halle sind die Klüfte, an denen die Höhle angelegt ist, an der Decke gut auszumachen. Ein späterer Versuch, noch verlehmte Fortsetzungen freizulegen, schlug fehl. Da die Sophienhöhle sofort nach der Entdeckung verschlossen wurde, unterblieben glücklicherweise größere Schädigungen am Sinterschmuck. Dies und die Tatsache, daß die Wegeanlagen nicht allzu aufwendig gestaltet sind, macht die Sophienhöhle zur schönsten Schauhöhle der Fränkischen Schweiz.

Zu dem Höhlensystem der Klaussteiner- und Sophienhöhle gehört noch eine dritte Höhle. Ihr Eingang wurde im August 1837 durch den Neumüller Christoph Hösch . . . ohngefähr 30 Schritte nordöstlich und etwas tiefer, vom Eingange der Sophienhöhle . . . entdeckt . .. So berichtet jedenfalls August Kornfeger in seinen "Stuben- und Reisebildern eines phantastischen Mediziners" von 1838 in mehreren Briefen von einer Reise durch die Fränkische Schweiz (S. 97ff.). Hösch muß beim Eindringen in die nach ihm benannte Höschhöhle auch vorgeschichtliche Funde gemacht haben, denn Kornfeger sah bei ihm . . . eine ziemlich erhaltene Urne aus der neuen Höhle . . ., die angeblich denen aus den wohl späthallstattzeitlichen Grabhügeln auf dem Löhlitzer Anger gleicht. Auch Knochengeräte und wohlerhaltene Schädel von Höhlenbär und Höhlenlöwe stammen angeblich aus der Höschhöhle.

Von der launigen Beschreibung Kornfegers soll hier nur wenig wiedergegeben werden. Nachdem er (1838, S. 99) durch den engen Eingang nach unten gerutscht war, überkamen ihn Bedenken, ob es ihm wohl gelänge, wieder herauszukommen. Ich hatte einerseits die jammervolle Idee, ein hungriger Mediziner muß mit einem ditto Juristen hier verhungern . . .

Die Höhle unterscheidet sich stark von der Sophienhöhle. Die schmucklosen Räume beschreibt Kornfeger folgendermaßen: Die Höhle ist kein aufgeräumtes Prunkgemach mit glacirten Wänden, sondern die Natur hat Alles so übereilt und stolpernd übereinander geworfen, wie ein Klassenschüler die lateinischen Wörter im pensum, wenns bereits 4 Uhr geschlagen hat. Wenn sich die Natur in andern Höhlen eine gleiche Hudelei und Sudelei zu Schulden kommen ließ, so verbesserte sie ihren Fehler dadurch, daß sie nachher Flüssigkeiten einsickern ließ, welche Kalktheilchen mit sich führten, und dieß stalaktitische Wasser überzog. Alles sich Vorfindende mit einem gleichmäßigen und ordnenden Ueberzuge, glättete die Rautheiten und verzierte durch liebliche Tropfsteinformationen die plumperen Gebilde. Aber auch diese Verbesserungsprozedur ward unserer Höhle gröftentheils vorenthalten, und sie blieb trocken, rauh, windlich, mit Schlupflöchern, kleinen Gemächern, und Schlöten die Kreuz und die Quere. Nachdem man mit Geduld, Ergebung und einigem Humor bis in das letzte große Gemach der Höhle vorgedrungen ist, eilte man wieder dem Tageslichte zu und nannte .. dieses verwünschte Loch la grotta della disperazione- Verzweiflungshöhle, oder (aus Billigkeit und Dankbarkeit) Höschhöhle (Kornfeger 1838, S. 109).

Die Höschhöhle bei Rabenstein (B 24) besteht aus einer Folge von Kammern und hat eine Gesamtlänge von etwa 200m. Sie ist, da ihre wissenschaftliche Untersuchung noch nicht als abgeschlossen gelten kann, verschlossen und der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

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