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Berühmte Persönlichkeiten in Waischenfeld und Umgebung

Die Gruppe 47 in der Pulvermühle
Ernst Moritz Arndt
Ludwig Richter
Dr. Michel Hofmann

 

Wie die Pulvermühle 1967 Literaturgeschichte machte

Ein paar Dutzend Dichter - und kein Vers (Gruppe 47)
von Gert Rückel

So etwas hatte es in der Geschichte des Bayreuther Landes noch nicht gegeben: Gleich ein paar Dutzend Dichter und Schriftsteller - unter ihnen die berühmtesten Poeten der Republik kamen an idyllischem Ort zusammen. Und doch kam kein einziger Vers auf die liebliche Gegend dabei heraus, lediglich ein satirisches Gedicht Carl Amerys mit der Überschrift "Pulvermühlen- Komplott 1967". Ansonsten war den versammelten Dichtern leider nicht zum Dichten zumute, wie dieser Beitrag erhellen wird.

Zum Glück war die Pulvermühle - sie war damals der Treffpunkt - schon vorher Objekt der Poesie geworden - zwar nicht auf hohem literarischem Niveau, dafür aber recht einprägsam. Auf der Rückseite einer kleinen Wanderkarte, den die Ortsgruppe Ailsbach des "Fränkische – Schweiz - Vereins" herausgegeben hat, findet sich der Vierzeiler: "Hast du satt das Weltgefühl, / Dann wandre hin zur Pulvermühl', / Hier kann der Mensch in frohen Stunden /Am Herzen der Natur gesunden."

Es war die "Gruppe 47", die hier vom 5. bis 9. Oktober 1967 ihre 31. Tagung abhielt. Dreißig Jahre später ist die damalige Zusammenkunft der Dichter, Schriftsteller und Literaturkritiker bereits Legende. Zum Tagungsort Pulvermühle - im Bayreuther Land jedem bekannt - wäre anzumerken, dass in der ursprünglichen Mühle (ihre Geschichte reicht Jahrhunderte zurück) tatsächlich etwa fünfzig Jahre lang Pulver gemahlen wurde, bevor sie im Jahr 1806 in die Luft flog. 1922 wurde hier eine Gastwirtschaft eröffnet, und im Laufe der Jahre entstand der heutige Gasthof mit Cafe und Pension. Seele des Familienbetriebes ist Kaspar Bezold, der auch Gastgeber der Literatenvereinigung war.

Entstanden war die "Gruppe 47", wie der Name schon sagt, im Jahre 1947. Hans Werner Richter, "Bindeglied", Motor und Integrationsfigur der Gruppe, wies schon früh auf die Absichten der Gruppe hin: "Der Ursprung der Gruppe 47 ist politisch - publizistischer Natur. Nicht Literaten schufen sie, sondern politisch engagierte Publizisten mit literarischen Ambitionen."

Hans Werner Richter, geboren am 12. November 1908 auf der Insel Usedom, orientiert sich schon in jungen Jahren politisch nach links. In amerikanischer Kriegsgefangenschaft gibt er eine Lagerzeitung heraus, anschließend engagiert er sich in München als Herausgeber der politisch - literarischen Zeitschrift "Ruf". Als diese Zeitschrift 1947 von der amerikanischen Militärregierung verboten wird, lädt Richter im September 1947 die Redakteure und die Autoren der letzten Nummer des "Ruf" zusammen mit jungen unbekannten Schriftstellern an den Bannwaldsee nach Füssen ein.

Auf dem "elektrischen Stuhl" Von Anfang an hat sich ein ganz bestimmtes Ritual herausgebildet: Hans Werner Richter wählt den Tagungsort aus, lädt per Postkarte zu den Tagungen ein, er organisiert sie und leitet die Diskussionen. Neben ihm nimmt der "Delinquent" auf dem "elektrischen Stuhl" Platz und liest aus seinen Werken vor, bevor ihn die Kollegen, später auch geladene Berufskritiker wie Joachim Kaiser oder Reich-Ranicki, entweder "zerreißen" oder in den literarischen Himmel erheben. Bestehen junge Begabungen diese Feuertaufe, dann ist oft der Grundstein auch für materielle Erfolge gelegt, denn Richter konnte seit Beginn der 50er Jahre immer wieder Rundfunkintendanten als Sponsoren gewinnen. Der Rundfunk wird zum Mäzen vieler "47er" und verbessert dadurch nachhaltig ihre finanzielle Lage. Einige junge Talente werden auf den Tagungen erst entdeckt, so 1952 die Schriftstellerin Ilse Aichinger. Andere bereits Bekannte rücken ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Peter Handtke oder Günter Grass.

So gelten die Gruppentreffen schon bald als "Talentschmiede" und literarische "lnformationsbörse". Oft meldet sich die Gruppe am Ende der Tagungen mit Petitionen, Protesten und offenen Briefen zu aktuellen politischen Problemen zu Wort. Als Hans Werner Richter im Jahr 1967 die idyllisch gelegene "Pulvermühle" im Bayreuther Land als Tagungslokal auswählt, ist die Welt alles andere als idyllisch: Der Vietnamkrieg wirft seine Schatten, Kurt-Georg Kiesinger ist Bundeskanzler der großen Koalition von CDU/CSU und SPD. In Berlin gehen Studenten der außerparlamentarischen Opposition auf die Straße, protestieren gegen den Vietnamkrieg, gegen den Staatsbesuch des Schah von Persien, gegen Notstandsgesetze und Wiederaufrüstung, gegen Hochschulreform und Pressekonzentration. Ihre Straßenschlachten mit der Polizei beunruhigen die Republik.

Im Grunde ist es reiner Zufall, dass sich die Literaten für ihr 31. Treffen gerade die "Pulvermühle" bei Waischenfeld aussuchen. Es ist der aus Forchheim stammende Schriftsteller Klaus Röhler, der die "Fränkische Schweiz" ins Gespräch bringt, und Hans Werner Richter entscheidet sich für das alte Wirtshaus, weil es so abgelegen ist: Dieses Mal will man unter sich sein. Die "Gruppe 47" ist zu diesem Zeitpunkt bereits schwer angeschlagen. Auf der Tagung im Jahr zuvor, in der Universität von Princeton (USA), war es arg stürmisch zugegangen. Der junge, fast unbekannte Peter Handtke aus Graz hatte sich nach Tagen ermüdender, langweiliger Lesungen zu Wort gemeldet und die Gruppe frontal angegriffen. In den Monaten danach wurden die Angriffe nicht nur von konservativer Seite immer heftiger und polemischer. Deshalb musste eine neue Tagung stattfinden, "irgendwo auf dem Lande, in der Einsamkeit, ohne den Stress der großen Öffentlichkeit" (Hans Werner Richter). Richter hatte sich durch einen langen Urlaub am Meer auf diese Tagung vorbereitet.

"Invasion" von 70 Schriftstellern. Wer dreißig Jahre später in der Pulvermühle nach Spuren der "Gruppe 47" sucht, der braucht ein gutes Auge. Drei kleine gerahmte Schwarz-Weiß-Fotos erinnern noch an die Invasion der siebzig Schriftsteller, Verleger und Kritiker im Oktober 1967.

Auf einem Fotobild der gruppe 47 vor der pulvermühle sieht man einen missmutig dreinblickenden Günter Grass, auf einem anderen plaudert Hans Werner Richter mit dem damaligen Wirtschaftsminister Karl Schiller, der als Gast vorbeigekommen war. Wenn man danach fragt, holt Kaspar Bezold, der Wirt der Pulvermühle, das Gästebuch hervor. Kein Zweifel: im Jahre 1967 war hier fast die gesamte deutsche Nachkriegsliteratur versammelt: Wolfgang Hildesheimer, Guntram Vesper, Helga Maria Novak, Jürgen Becker, Walter Höllerer, Horst Bienek, Siegfried Lenz, Helmut Heißenbüttel, Peter Härtling, Martin Walser, Peter Bichsel, Erich Fried und andere. Günter Grass lobt die Knödel, Wolf-Dietrich Schnurre die Forellen, und Günter Eich schreibt bedauernd in Bezolds Gästebuch: "Die Pulvermühle hat nur einen Nachteil: dass man sie nicht mitnehmen kann."

Mit Literatur hatte der Wirt der Pulvermühle damals nichts am Hut, mit den Linken schon gleich gar nicht. Dem Ortspfarrer erschien die Invasion linker Literaten sogar recht bedenklich, wie er in der Kirche bemerkte. Aber Kaspar Bezold war geschäftstüchtig und ließ sich die Chance auf ein volles Haus nicht entgehen. So sperrt er im Oktober 1967 seine Zufahrtsbrücke über die Wiesent für alle Nichtliteraten und überlässt sein Haus für fünf Tage dem "uneingetragenen Literatenverein", wie der "Spiegel" die berühmte Gruppe nennt. Für die Lesungen im alten Wirtshaussaal (er wird 1972 ein Opfer der Flammen) leiht sich der Wirt Sessel aus dem Landratsamt. Wie immer, wird auch 1967 in der "Pulvermühle" unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelesen und diskutiert. Und doch nimmt die Tagung der "47er" im Wiesenttal plötzlich einen ganz anderen Verlauf, als beabsichtigt. Hans Werner Richter schildert dies rückblickend so:

"Es ist wie immer. Günter Eich sitzt vor mir, Wolfgang Hildesheimer, Günter Grass, Walter Höllerer, Joachim Kaiser, Martin Walser, Marcel Reich-Ranicki. Aber es fehlen auch viele, Kritiker wie Walter Jens und Hans Mayer Einige sind gekommen - sie sagen es nicht, ich sehe es ihnen an -, um bei der Beerdigung der "Gruppe 47 dabei zu sein. Aber ich denke nicht daran, ihnen eine Beerdigungszeremonie zu bieten. Diese Genugtuung wird es für niemanden geben, auch nicht für unsere Gegner Doch dieser pessimistische Grundzug ist schnell verschwunden. Die Atmosphäre früherer Tagungen stellt sich wieder ein: der Humor, die Freude an der Sprache, an der Literatur Draußen demonstrieren angebliche Studenten. Sie sind in hochfeudalen Wagen angereist. Ich weiß, die wenigsten sind Studenten. Ihre Hintermänner sitzen im Saal Freunde von mir, die sich aus allzu harmlosen Formalisten in lautstarke Ideologen verwandelt haben und nun Revolutionäre spielen. Es ist ein Verdacht, der sich erst sehr viel später bestätigen soll".

Der Chef der "Gruppe 47" kann sich aus dem überraschenden Spektakel nicht heraushalten, denn er wird direkt angesprochen: "Die Studenten rufen Richter soll rauskommen' oder ähnliches. Ich gehe hinaus, und die Studenten fordern mich auf, per Megaphon natürlich, zu den Grundsätzen zurückzukehren, die ich im ,Ruf' vertreten habe, zu einer klassenkämpferischen Position. Ich muss über sie lachen..." Richter mokiert sich über die Überraschungsgäste: Es sind höchst seltsame Klassenkämpfer. Ihre Kostümierung ist faschingsähnlich – Klassenkampf – Fasching in der Pulvermühle im Oktober – ein sonderbares Bild. Als ich wieder den Saal betrete, wirft meine Frau einen der Demonstranten hinaus. Er ist als Clown verkleidet und trägt ein Transparent vor der Brust mit der Aufschrift ,Saubermänner'. Es geht alles sehr schnell, und der Ankläger ist draußen, bevor ihn jemand bemerkt hat ... Doch der Lärm draußen geht weiter, die Störungen werden für die Lesungen unerträglich. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als eine Pause anzusagen - eine Kaffeepause. Alle strömen hinaus, um sich die kostümierten Studenten mit ihren Transparenten anzusehen ..."

Hans Werner Richter schildert auch die höchst unterschiedlichen Reaktionen der Teilnehmer zwischen Anpassung und Wut: "Viele lachen, einige schütteln die Köpfe, aber andere stellen sich, nicht sehr offen, mehr versteckt, auf die Seite der Demonstranten. Reinhard Lettau lässt sich das Megaphon geben und hält eine Rede. Sie beginnt mit der Anrede "Genossen". Der schmale, schmächtige Lettau gibt sich auf einem Stuhl wie Lenin. Eben war er noch pro-amerikanisch und jedes dritte Wort hieß: ich bin ein Amerikaner. Er erzählt seinen Genossen, dass die Gruppe 47' schon eine Resolution gegen Axel Springer verabschiedet habe, eine Resolution, die die Studenten verlangen. Ich fordere die Teilnehmer auf, wieder in den Saal zu kommen und lasse die Türen schließen. Unterhalb der Glasterrasse, auf der wir dann Kaffee trinken, verbrennen die Demonstranten mitten in einem Obstgarten Zeitungen, Broschüren und anderes. Das wiederum regt Carl Amery so auf, dass er hinausrennt und die Demonstranten anschreit: "Das, was Sie da tun, ist absolut antimarxistisch. Obstbäume sind Produktionsmittel. Die zerstört man nicht". Als die Lesungen wieder beginnen sollen, sind alte voller Aufregung. Günter Eich, der unmittelbar vor mir sitzt, beugt sich vor und flüstert: Lass mich jetzt lesen. Ich habe das Richtige zur Beruhigung.'

Aber bevor ich Günter Eich lesen lassen kann, kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen. Günter Grass greift Reinhard Lettau an. Ich habe, sagt Grass, Dir nicht die Genehmigung gegeben, in meinem Namen zu sprechen, und Du hast auch nicht das Recht, im Namen der ,Gruppe 47' zu sprechen. Lettau verteidigt sich und nun zeigen sich jene ideologischen Fronten, die außerhalb der Gruppe 47' entstanden sind, an den Universitäten, in den Republikanischen Clubs, auf der Straße. Erich Fried, Yaak Karsunke, Martin Walser ergreifen Lettaus Partei und es gelingt mir nur mühsam, den Streit zu beenden. Erst als ich sage: , Und jetzt liest Günter Eich', wird es plötzlich still. "

Damit scheint die Situation tatsächlich gerettet zu sein. Hans Werner Richter:"... und Eich liest mit seiner Satire aus den, Maulwürfen' über Vater Staat und Mutter Natur alle ideologischen Frontenbildungen hinweg, er liest sie gleichsam vom Tisch. Mir wird in diesem Augenblick bewusst, dass Literatur sehr viel stärker sein kann als jede Ideologie. Und Günther Grass verwendet in seiner Erzählung "Das Treffen in Telgte", in der er eine Dichttertagung im Jahre 1647, also dreihundert Jahre vor dem ersten Treffen der 47er, schildert, manches Hintergrundmaterial, das an die Tagung der Gruppe in der "Pulvermühle" erinnert.

Die Literaten fühlten sich damals trotz der Auseinandersetzungen und der Störungen von außen recht wohl in diesem romantischen Winkel des Bayreuther Landes. Günter Eich blieb gleich noch eine Woche länger. Tagsüber durchstreifte er mit dem Wirt die Fränkische Schweiz, nachts spielte er mit ihm Schach. Und auch Hans Werner Richter schaute mit seiner Frau Toni fast zwanzig Jahre später nochmals vorbei und war sichtlich überrascht: Er hätte nicht geglaubt, den "Wirt von damals" anzutreffen, schrieb er ins Gästebuch. Um so mehr freute er sich darüber.

Die "Beerdigung" fand nicht statt

Das Ende der "Gruppe 47" war von manchem schon im Oktober 1967 erwartet worden. Das WDR hatte laut Toni Richter schon einem Film vorbereitet (er war auf einem alten Wiener Friedhof gedreht worden), der die Beerdigung der Literatengruppe zum Thema hatte. "Der Streifen: Das Begräbnis der Gruppe 47 wurde nicht gesendet", merkt die Ehefrau Richters in ihrem 1997 erschienen Buch "Die Gruppe 47" lakonisch an.

Das Ende der Literatengruppe

Auch wenn die Tagung in der Pulvermühle im Oktober des Jahres 1967 nicht das letzte Treffen der Gruppe 47 war, so hatten sich dort doch nach Ansicht von Hans Werner Richter Tendenzen verfestigt, die die Gruppe über kurz oder lang zerstören mussten: Ideologische Verkrampfungen auf der einen Seite, hochentwickelter Formalismus auf der andern. Richter wollte der Gruppe eine Zerreißprobe ersparen, er suchte nun selbst eine Gelegenheit zu einem "Staatsbegräbnis erster Klasse". Die geplante Tagung im folgenden Jahr in der Nähe von Prag konnte wegen des Einmarsches der "Roten Armee" nicht stattfinden. Man traf sich 1972 im kleinen Kreis in Berlin, um dann die "Gruppe 47" im September 1977 zu ihrem letzten Treffen nach Saulgau einzuladen. Zehn Jahre nach dem Treff in der Fränkischen Schweiz war das Ende der berühmten Literatengruppe gekommen.


Aus: Von einem Paradies durch das andere, Landratsamt Bayreuth 1997. Autoren: Bernd Mayer und Gert Rückel.

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Ernst Moritz Arndt vor 200 Jahren in der Fränkischen Schweiz

FRÄNKISCHE SCHWEIZ. "Ich reise nun den Sonnabend von hier über Weimar nach Erfurt und dann geht es zu Fuß durch den Thüringer Wald und Franken immer näher nach Süden..." Mit diesen Worten soll sich Ernst Moritz Arndt am 5. Juni 1798 von seinen Eltern verabschiedet haben zu einer Reise, die ihn für ein Jahr durch halb Europa führte. Zu Fuß durchwanderte er Süddeutschland, Österreich, Italien, Ungarn und Frankreich. Dabei war ihm sein Tagebuch der treueste Begleiter. In ihm hielt er alle wichtigen Begebenheiten akribisch fest und veröffentlichte sie ab 1801 in zahlreichen Reisebüchern. In: "Bruchstücke einer Reise von Baireuth bis Wien im Sommer 1798" schrieb der zu seiner Zeit berühmte Theologe und Freiheitsdichter Arndt vom 19. bis 25. Juni 1798 seine Eindrücke während der Wanderung durch die Fränkische Schweiz nieder. Vor allem den romantischen Burgen, Ruinen und geheimnisvollen Höhlen des "Muggendorfer Gebürg" galt sein uneingeschränktes Interesse.

Die Wanderung begann in Bayreuth. Der erste Tag, ein Donnerstag, führte ihn über Donndorf und Eckersdorf nach Obernsees, wo er wegen starken Regens übernachtete. Umringt von einem "Schwarm Bauern und Fuhrleuten" unterhielt er sich den ganzen Abend mit dem Wirt, einem "großen Politikus" über Gott und die Welt, über die Franzosen und wie sie im "Bayreuthischen" gehaust haben. Am nächsten Morgen wanderte Arndt, zusammen mit einem Schneider "den der Zufall mir in die Schenke gebracht hat", über Schönfeld nach Sanspareil. "Die Gegend hier ist hoch und heißt mit besonderen Namen das Gebirg" vermerkt Arndt in seinen Aufzeichnungen über den steinigen Weg. Überrascht zeigt er sich beim Betreten des Felsengartens von den Steingebilden. "Wunderbar ward mir ums Herz, als ich die einzelnen großen Massen erblickte, die aus Zauberhänden als ein Spiel der Zauberey hingewälzt schienen". Nicht sein Gefallen fanden dagegen die "hölzernen Bänke und Tische und Schnörkeleien von Menschenhänden" und die "zierlichen Häuschen und Tempelchen im Walde".

Nachmittags um drei Uhr lief Arndt weiter über Wonsees und Hollfeld nach Muggendorf. Unterwegs fragte er einige Male "nach dem rechten Weg", bekam aber keine befriedigende Antwort. Alle Dorfbewohner waren auf dem Friedhof, in den Häusern befanden sich nur kleine Kinder "zwischen ein und fünf Jahren". Mißmutig stapfte Arndt aufs Geradewohl weiter. Unterwegs fiel ihm auf, "daß der Charakter des Landes noch fast derselbe ist wie zwischen Hof und Baireuth, doch wirken die Felder hier fast noch ärmlicher". Ein "Kuhjunge" wies ihm schließlich die Richtung. Er war heilfroh, als er schließlich spätabends Muggendorf, sein Etappenziel, erreichte, "wo ich nun sitze unter Amtsschreibern und Posthaltern und mich in politischen Diskursen für den Schlaf bereite". Über Muggendorf weiß der Reisende nur gutes zu berichten: "...es liegt mit ganz hübschen Häusern tief im Thale an der Wisend, ganz zwischen waldigten Bergen versteckt".

Am nächsten Morgen in aller Frühe, es war der 21. Juni, machte er sich mit seinem Führer, dem 73jährigen Wunder auf "und bin bis drey Uhr mit ihm herumgeklettert". Vor allem den Höhlen der näheren Umgebung galt sein Augenmerk. Vielleicht war Ernst Moritz Arndt durch das 1774 erschienene Höhlenbuch des Uttenreuther Pfarrers Johann Friedrich Esper mit den "ausführlichen Nachrichten von neuentdeckten Zoolithen unbekannter vierfüßiger Thiere" darauf aufmerksam geworden.

Danach wanderte Arndt über Rabeneck und Rabenstein ins "bambergische Städtchen Waischenfeld ins Quartier". Er besuchte unterwegs beide Burgen und schrieb ausführlich seine "Entdeckungen" nieder. Die Burg Rabeneck "ist ein wahres Rabennest" bemerkte er, lobte aber im gleichen Atemzug seine schöne Lage. "Diese Ausblick von der Wisend und zwar von der Wassermühle her, ist über alle Beschreibung; aber noch entzückender ist es, von oben hinunter zu schauen. Unten schlängelt der Fluß durch das blumige Thal, in welchem die Mühlen und Schöpfräder klappern, und dicht unter einem gähnt der grauenvolle Abgrund".

Zufrieden mit sich und seiner Reise, im Einklang mit Gott und der Welt kam Arndt nach Waischenfeld, wo er im Gasthof "Rotes Roß" eine Nacht Quartier nahm. Der Gästebucheintrag (siehe.. Abbildung) belegt den Besuch noch heute. Einer lieben Gewohnheit folgend erklomm er "ein hohes Gestein" und dichtete beim Anblick des friedlich im Tal liegenden Städtchens voller Poesie: "Hier auf und zwischen den Altären, die du dir erbauet hast, heilige Natur, unendliches, unbegriffenes Leben und Weben der Welt, hier sitze und kniee ich, selig durch dich, selig schon durch das Gefühl des Daseyns wenn ich auch ewig in Nichts zerfallen sollte, wie deine zertrümmernden Felsen. Hier kniee ich, entzückt schon durch das Gefühl der Kraft und Güte, welches dein Genuß auch dem Schuldigen giebt. Du längster Tag des Jahres, sollst einer meiner schönsten seyn. Rund um mich tönt die Stimme froher und arbeitender Menschen; unten singen ein paar grasende Mädchen und von oben her klagt eine süße Stimme der Kohlpflanzerinnen; still weht die Luft, der Himmel schwärzt sich im Westen und die Stimme der Donner brausen von ferne, wie die Wisend drunten im Thale".

Nicht ganz so begeistert äußert sich Arndt über Waischenfeld. "..es liegt in einem tiefen, engen Thale und man ist fast in den Toren, ehe man es sieht. Die rauhe und wilde Gegend umher sieht wie eine Nachgeburt des alten Chaos und Crebus aus, in so mancherley Gruppen und Klumpen sind die Kalksteine hingeworfen, ohne alle Verhüllung und Bekleidung ihrer traurigen Nacktheit". Versöhnung mit der Landschaft findet Arndt beim Besuch der nahen Försterhöhle, wo er einen Unfall hatte. Er rutschte nämlich auf einer Leiter aus und landete ziemlich unsanft auf dem Boden. Mit: "einen kleinen Absprung gemacht" umschrieb er am 22. Juni im Gästebuch seiner Unterkunft das Mißgeschick. Die Försterhöhle, so schwärmt er, "ist von allen Höhlen die ich in diesem schönen Bezirk einiger Meilen gesehen habe, fast die merkwürdigste. So groß, so ungeheuer und so fremdartig sind die Formen, die sie dem erstaunten Auge bey jedem Schritte darbietet".

Nach dem Besuch der geheimnisvollen Unterwelt begab sich Arndt auf den Rückweg nach Muggendorf, wo ihn am nächsten Morgen um halb sieben Uhr in der Früh schon wieder der Fremdenführer Wunder sehnlichst erwartete. Über ihn fand der Freiheitsdichter nur lobende Worte. "Dieser Greis hat noch einen ziemlichen Athem in seiner Brust – und eine geläufige Zunge. Die Reisenden haben ihn ausgebildet und er weiß von allen Gegenden und ihren Geschichten. Er sammelt Steine, Pflanzen, Vogelnester, Saamen und verschickt sie, und ist ein guter Bekannter von Schreber und Humboldt; übrigens ein kleines schiefbeiniges Männlein, das man auf den ersten Anblick für einen Berggnomen nehmen könnte".

Er erforschte die Gegend, unterbrochen vom Abstecher nach Waischenfeld, mehrere Tage lang und berichtete darüber ausführlich in seiner Reisebeschreibung. Unter anderem besuchte er die Rosenmüllers-, Witzen – und Oswaldhöhle, die Schönstein- und Zoolithenhöhle. Am 22. Juni erstieg er das Quackenschloß, den Adlerstein, die Riesenburg, am 23. Juni die Ruinen Neideck und Streitburg. Alle Sehenswürdigkeiten, die damals "Rang und Namen" hatten, bekamen von ihm Besuch. Über die Neideck schrieb er, vom Anblick überwältigt: ".. die schönsten Trümmer einer Burg, die ich bis jetzt auf teutschem Boden sah".

Am 24. Juni sah sich Arndt in Streitberg um. Das gleichnamige Schloß hoch über dem Ort, das damals noch zum Teil bewohnt und landwirtschaftlich genutzt war erregte seine Neugier. Arndt findet "modernisierte" Gebäude, in denen Korn und Heu gelagert waren. Das "alte Wappen steht noch wohlerhalten über dem Eingang" und erzählt von längst vergangenen Tagen. Auch hier fasziniert ihn der weite Blick ins Tal. "Man bekommt Lust zu fliegen, so wie man hinabschaut".

Aufmerksam betrachtet und beschreibt Arndt auch die Menschen und ihre Lebensweise. "Die Wohnungen werden hier immer wieder besser. Man sieht mehr Stein- und Strohdächer, Sandstein gibt es viel und hie und da Schiefer- und Marmorbrüche. Die Menschen tragen die alte deutsche Bauerntracht, braun oder blau mit schwarzen ledernen Hosen ohne Knöpfe und Schnallen am Knie, spitze Hüte, das Haupthaar kurz geschnitten und meist mit ledernen Käppchen bedeckt. Die Weiber tragen ein Tuch kunstvoll auf dem Kopf, so daß der eine Zipfel hinten und zwey an den Ohren nieder hängen. Die Hemden tragen die Männer auf dem Rücken offen, so daß sie die schönere Brust nicht zeigen; wie es die Weiber hierin halten, hab ich nicht ausgeforscht". Die Frauen der Region haben es Arndt anscheinend angetan. Denn im Vergleich beider Geschlechter meint er: "Die Weiber sind hier meist besser gebaut als die Männer, die in der Regel zu dürr sind, obgleich viele, gewaltig dicke Beine haben".

Die Landwirtschaft dominierte im 18. Jahrhundert das Bild der Fränkischen Schweiz. Ihm fiel auf: "Der Boden ist fast durchgehend mit gutem Getreide besät. Allenthalben sieht man Kartoffeln und Kohl, hie und da auch Hanf und Flachs. Alles verrät im Durchschnitt einen fleißigen Anbau und wird bey den kleinen Ackerabteilungen auch zum Theil mit Hacke und Spaten gearbeitet. Unten im Thale sind die Wiesen. An allen Bächen und Strömen von Bedeutung sind große wasserschöpfende Maschinen, die dieses in Röhren und Rinnen gießen, um die Wiesen durch Wässern fetter und üppiger zu machen".

Am 25. Juni 1798 verläßt Ernst Moritz Arndt die Gegend. "Der Weg von Streitberg bis Erlangen, den man 7 bis 8 Stunden rechnet, geht die ersten zwey Meilen immer an der Wisend durch ein schönes Thal, wo Getreide und Wiesen üppig stehen. Allenthalben im Felde und an den Bergen sind die schönsten Fruchtbäume und an den südwestlichen Bergen sieht man schon, fast bis nach Forchheim hin, Weinberge..."

ERNST MORITZ ARNDT wurde am 26.12.1769 in Schoritz auf Rügen in Vorpommern geboren. Er wuchs als Hirtenjunge, Bote und Jagdhelfer auf. 1791-93 studierte er an der Universität in Greifswald, an der er 1805 als Professor arbeitete. 1796 machte er sein theologisches Examen und war bis 1798 Hauslehrer. 1800 wurde Arndt Privatdozent für Geschichte und Philosophie in Greifswald, von 1806 –08 wirkte er in Stockholm. Von 1812-15 arbeitete er als Privatsekretär des Freiherrn von Stein mit leidenschaftlichen politischen Flugblättern und Liedern für die nationale Erhebung gegen Napoleon. Er trat für die politische Einheit Deutschlands ein. "Der Rhein, Deutschlands Strom, aber nicht Deutschlands Grenze" war einer seiner bekannten Sprüche. 1818 wurde er Professor für Geschichte in Bonn, wegen seiner politisch unerwünschten Ansichten 1820 seines Amtes enthoben und erst 1840 wieder eingesetzt. 1848/49 war er Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Gestorben ist Arndt am 29.1.1860 in Bonn. löw

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Ludwig Richter in Waischenfeld und Rabenstein

Wir möchten es gewissermaßen dem Schicksal danken, daß es auch den 1803 in Dresden geborenen und 1884 dort verstorbenen großen deutschen Maler LUDWIG RICHTER in die Fränkische Schweiz geführt hat, den gemütvollen Darsteller des deutschen Familienlebens, der deutschen Landschaft, aus dessen Bildern und Zeichnungen so unendlich viel Romantik spricht, eine Romantik des deutschen Gemütes schlechthin. Keines andern deutschen Malers zu Herzen sprechende Kunst trägt so viel Verwandtschaftliches mit der Romantik der Fränkischen Schweiz in sich als die Ludwig Richters. Wäre er, der spätromantische Märchenillustrator, nicht in unseren geliebten Tälern gewesen, dann würde das Gästebuch der Fränkischen Schweiz eine Lücke aufweisen.

Auf seiner ersten Italienreise im Jahre 1823 kam der Zwanzigjährige erstmals nach Franken, auf seiner zweiten Frankenreise sah er zum ersten Male die Fränkische Schweiz, aber nur vom Postwagen aus, der ihn von Bayreuth durchs Muggendorfer Tal über Streitberg und Erlangen nach Nürnberg brachte. Auf seiner dritten Frankenfahrt im Sommer 1837 hat Ludwig Richter dann die Fränkische Schweiz erstmals genauer kennengelernt. Diese Reise galt dem Zweck, für ein mehrbändiges Werk: "Das malerische und romantische Deutschland", das Georg Wigand in Leipzig herausgab, Zeichnungen zu liefern, die in Stahl gestochen werden sollten.

Richter machte die Reise durch die Fränkische Schweiz ganz zu Fuß. Was er da erlebt, beschreibt er in einem Brief aus Waischenfeld, der vom 17. August 1837 datiert ist. Sein Eintrag in das Fremdenbuch des Gasthauses "Zur Post" in Waischenfeld ist noch wohlerhalten; er lautet: "16. August 1837 Ludwig Richter, Maler aus Dresden in Sa., von Muggendorf kommend, mit Pässen der Polizeidirektion Dresden vom 10. August 1837; zum Vergnügen 2 Nächte, Nr. 38." In Waischenfeld hat es dem jungen Ludwig Richter gar wohl gefallen. Wieviel Liebliches und Schönes ich hier finde", schreibt er in sein Tagebuch, kann ich gar nicht sagen. Die Wirtsstube, ihre Gerätschaften, das interessante Volk, Sprache und Tracht, die ganze Gegend Schritt vor Schritt, gibt mir Interessantes, ja Bilder, und zwar in einem Charakter, wie ich ihn immer zu finden wünschte. Meinem Leibe geschieht auch kein Abbruch, das köstliche Bier (der Krug zwei Kreuzer oder sechs Pfennige), die ganz ausgezeichneten Forellen von der Größe kleiner Karpfen, und alles, was noch drum und dran hängt, ergötzen meinen Magen ebenso, als meine Seele sich glücklich und gehoben fühlt im Anschauen einer so wunderschönen Natur.

Von Waischenfeld aus unternahm Ludwig Richter kleine Ausflüge in die Umgebung. So kam er gleich am ersten Tag hinüber zur Burg Rabenstein im Ailsbachtal, in deren Nähe man vier Jahre vorher die Sophienhöhle entdeckt hatte. Richter schreibt über diesen Ausflug folgendermaßen:
,Ich wanderte nachmittags in ein Felsental und erblickte eine Kapelle, ging nahe darauf zu und sah das romantischste Bild, was man sich denken kann. (Er meint damit die Klaussteiner Kapelle oberhalb der Sophienhöhle, hoch über dem Ailsbachtat. Der Verfasser.) Ein altes gotisches Kirchlein, an einem steilen, bebuschten Felsen klebend; in der schwindelnden Tiefe ein stilles Wasser, sonderbar gestaltete Felswände, an welchen eine große mächtige Höhle das Tageslicht angähnt (Ludwigshöhle). Auf einer der Felswände lag das Schloß Rabenstein, halb Ruine, zum Teil noch bewohnt. Ich zeichnete die Kapelle; Gewitter stiegen ringsum auf, die Gegend wurde finster und ich mußte endlich nach. Waischenfeld zurückeilen.« In Waischenfeld ist Richter auch beim Gastwirt Förster Zum Roten Roß eingekehrt. Hier sitze ich und rauche mein Pfeifchen, indes der Regen auf das kleine Marktplätzlein herunterplätschert und Blitz auf Blitz, Schlag auf Schlag einander jagt und drängt.

Am nächsten Morgen wandert Richter nicht weiter, sondern er geht abermals zur Klaussteiner Kapelle, so sehr hat ihn die Schönheit des Rabensteiner Tales gepackt. Dort hat er bis zum Mittag gezeichnet; es ist dies das Blatt, das als ,Schäfers Sonntagslied« in die deutsche Kunstgeschichte eingegangen ist. Man kennt diese holzschnittartige Zeichnung auch unter dem Titel "Das ist der Tag des Herrn". Im Mittelpunkt der reizenden Komposition steht ein kniend betender Hirtenknabe mit rührend naivem Gesichtsausdruck, mit Hirtenstab und Blashorn, umgeben von seinem Hund und seinen Schäflein. Im Hintergrund der gebirgigen Landschaft sieht man ein hochstehendes Bergkirchlein, das mit der Klaussteiner Kapelle große Ahnlichkeit hat.

Ein prachtvolles Blatt hat er von der wildromantisch gelegenen Burg Rabenede gezeichnet, die er berührte, als er von Rabenstein noch Doos wanderte. In Doos interessierte ihn sehr der dortige Wasserfall, der damals noch schöner und eindrucksvoller gewesen ist als heute. Im Dooser Wirtshaus kehrte Ludwig Richter ein. Mit den Wirtsleuten hat er sich anscheinend köstlich unterhalten, denn es heißt darüber in seinem Tagebuch: Die Wirtin brachte Brot und Butter und Schnittlauch und unterhielt sich sehr schön mit mir; die Leute waren katholisch und mich freuten die einfältig frommen Äußerungen der Frau aufs höchste. "Es war mir rührend, wie sie jede kleine Begebenheit ihres armen, beschränkten Lebens recht als göttliche Führung ansah; sie war eine von den stillen, einfältigen Seelen, die in Gottes Aufsicht und Gnade stehen."

Nach der Rast im Gasthaus Doos ließ sich der junge Ludwig Richter von der jüngsten Tochter der Wirtin eine bekannte Sehenswürdigkeit der Umgebung zeigen. "Sie führte mich in ein waldiges Tal (Schottertal) zu gewaltigen Felsenhöhlen, die Riesenburg genannt. Zwei Riesen hatten hier gewohnt und sich zu Zeiten bekämpft; der eine davon hieß Heinrich, der andere - glaube ich - Erdmann; sie schossen mit Fitschepfeilen aufeinander." Die Riesenburg, das bekannte riesenhafte Felsenlabyrinth zwischen Doos und der Schottersmühle, war damals noch nicht bewaldet; frei ragten ihre gewaltigen Dolomitwände und Felsentürme in die Luft.

Von Doos aus stieg Ludwig Richter spät abends über den Berg, den sogenannten Hundsrück, hinüber nach Muggendorf, wo er beim Sponselwirt übernachtete. Am andern Tag zeichnete er die Burgruine Neideck und die Streitburg, letztere von dem heutigen Muschelquellenweg aus, mit dem Blick gegen Ebermannstadt. Über seinen Aufenthalt in Muggendorf und Streitberg hat Richter leider keine Aufzeichnungen hinterlassen. Auch über seinen Aufenthalt in Pottenstein, wo er die Burg zeichnete, und in Aufseß, wo er das Stammschloß der Herren von Aufseß mit dem Zeichenstift festhielt, erzählt uns Richters Tagebuch nichts. Die Richter‘schen Kunstblätter aus der Fränkischen Schweiz geben aber Zeugnis von dem wahrhaft deutschen Charakter dieser Landschaft, deren unerhörte Romantik schon manchen Großen im Reich der Kunst zu unvergänglichen Werken begeistert hat. Die Fränkische Schweiz ist in der künstlerischen Arbeit Ludwig Richters besonders gut weggekommen; Motive aus ihr wurden mit zur Bebilderung des großen Reisewerkes Wanderungen durch Franken" verwendet, das Gustav von Heeringen im Jahre 1839 in Leipzig herausgegeben hat. Auch in dem 1856 in Leipzig erschienenen Reiseführer "Wanderung durch das Fichtelgebirge und die Fränkische Schweiz", der mit fünfzehn Stahlstichen geschmückt ist, finden wir Arbeiten Ludwig Richters aus der Fränkischen Schweiz.

Aus: August Sieghardt, Die Fränkische Schweiz. 3. unveränderte Auflage bei Glock und Lutz Nürnberg, 1971

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MICHEL HOFMANN (1903-1968)

Von Walter Scherzer

Dr. Michel Hofmann, Direktor und Leiter des Staatsarchivs Würzburg von 1958 bis zum Juli 1968 ist am Donnerstag, den 7. November 1968, nur wenige Wochen nach seinem 65. Geburtstag und nach seiner Pensionierung einem verschleppten Herz- und Kreislaufleiden erlegen. Als Dr. Hofmann vor über 10 Jahren zum Leiter des Würzburger Staatsarchivs berufen wurde, war er auch in Würzburg bereits kein Unbekannter mehr.

Durch seine Tätigkeit in Bamberg, sei es dort seit den 30er Jahren am Staatsarchiv, dann ab 1945 als Feuilleton-Redakteur am Fränkischen Tag, ferner durch seine wissenschaftlichen Arbeiten zur fränkischen, insbesondere oberfränkischen Geschichte und vor allem durch seine Arbeit und Vortragstätigkeit in den Geschichtsvereinen und verwandten Gremien war der Verstorbene auch über Oberfranken hinaus anerkannt und geachtet. Was ihn aus dem Kreis seiner Fachkollegen besonders hervorhob, war der weit gespannte Bogen seiner geistigen und kulturellen Interessen und sein Temperament. Wer nur den Würzburger Michel Hofmann kannte, hatte den echten Hofmann nicht erfahren. Temperament und Geist vereinten sich mit der Beredsamkeit und sicherten Michel Hofmann stets volle Säle, wenn er zum Publikum sprach. Stets hatte er die Lacher auf seiner Seite. In der Freude an geschliffenen, oft aus dem Augenblick geborenen Wortspielen glich er vielleicht seinem frühen Landsmann und Humanisten Friedrich Taubmann aus dem heimatlichen Nachbarstädtchen Wonsees, ohne jedoch in Taubmanns gelegentliche Platitüden und inhaltslose Schwätzereien hinabzusteigen. Die enge landsmannschaftliche Gemeinsamkeit, eine gewisse Ähnlichkeit im Bildungsweg und die nimmer verblassende Liebe zur fränkischen Heimat ob dem Gebürg bewirkte wohl auch eine gewisse Seelenverwandtschaft. Und wer ein wenig Phantasie besitzt, kann in dem Konterfei von Friedrich Taubmann sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit Michel Hofmann feststellen: die gleiche hohe Stirn, das zurückgekämmte kräftige Haar, die gerade breite Nase und der breite aber ausdrucksvolle Mund.

Michel Hofmann wurde am 13. August 1903 zu Waischenfeld, einem ehemals fürstbischöflich- bambergischen Landstädtchen im Lkr. Ebermannstadt in der Fränkischen Schweiz geboren. Sein Vater besaß dort neben der Landwirtschaft einen Kaufladen, in dem der einheimische Bauer angefangen vom Stirnjoch für das Ochsengespann bis zu den täglichen Lebensmitteln alles bekommen konnte. Man muß den Reiz und die Fülle eines solchen Ladens selbst erlebt haben, um die Atmosphäre dieser oberfränkischen Dorfläden verstehen zu können. Hofmanns Vater gehörte noch zur redlichen Kaufmannschaft. So vergaß er beim Verkauf von Rauchwaren nie, den Käufer mit einer Warnung zu entlassen. Undenkbar, daß er einem Jugendlichen oder Halbstarken derartiges Teufelszeug verkauft hätte.

Aber die weiteren Vorfahren väterlicherseits waren in ununterbrochener Reihe zurück Posthalter. Neben der Wirtschaft zur Post besaßen die Hofmanns seit alters das Postregal zu Waischenfeld, und noch Hofmanns Vater hat als junger Mann vor seiner Verheiratung Reisende und Bagage mit den Posthalterrössern bis nach Bayreuth geführt. jedoch als Nachgeborener blieben ihm Wirtschaft und Postregal verschlossen. So hat Dr. Michel Hofmann die Kenntnis vom Wesen oberfränkischer Art in seinen Vorfahren und in seinem Elternhaus erlebt. Sicherlich hätte Michel Hofmann aber nie den im Grunde immer noch bäuerlichen Lebensbereich seiner Vorfahren durchbrochen, wenn sein Vater nicht die Tochter des Lehrers Spörlein zu Waischenfeld geheiratet hätte. Sie, die Mutter Michel Hofmanns, kam erst mit verhältnismäßig späten Jahren zur Heirat. Denn, wie früher auf dem Lande üblich, mußte sie so lange zurückstehen, bis erst alle ihre z. T. jüngeren Brüder versorgt waren. Als größte Mitgift brachte sie dann ihrem Mann geistige Gaben in die Ehe. Von ihr hat Michel Hofmann zweifellos die kulturelle Aufgeschlossenheit und die Begabung für eine Vielfalt geistiger Interessen. Bäuerliches Beharrungsvermögen, die Zuverlässigkeit des Beamten, die dem Kaufmann eigene Agilität, geistige Begabung und ein Interesse für die menschliche Kultur und Gesellschaft in ihrer gesamten Breite haben sich in Michel Hofmann vereint und sind ihm schon von seinen Vorfahren mit auf den Weg gegeben worden.

Vorerst aber besuchte Michel Hofmann zu Waischenfeld die Volksschule und verließ dann, auch hierin dem Humanisten Taubmann gleich, seine engere Heimat, um in der Residenzstadt seine schulische Ausbildung zu vervollkommnen. Nur daß Taubmann als markgräflicher Untertan nach Kulmbach und Michel Hofmann als Bewohner eines ehemals fürstbischöfl. Bamberger Landstädtchens nach Bamberg ging. Dort besuchte er das alte Gymnasium und wohnte im Aufsessianum. Nach dem Abitur studierte Hofmann zunächst ein Semester in Bamberg, in der Absicht Theologe zu werden. Doch schon im 2. Semester hatte er sich für das juristische Studium entschieden, wobei das Interesse für die Rechtsgeschichte schon frühzeitig erkennbar war. Geheimrat Konrad Bayerle in München und Geheimrat Ernst Mayer in Würzburg haben ihn in seinen rechtsgeschichtlichen Ambitionen bestärkt und gefördert. Von Guttenberg, der unvergessene Altmeister fränkischer Geschichte, hat Hofmann schließlich das Thema der Doktorarbeit gegeben, mit dem der Verstorbene bei Ernst Mayer zum Dr. beider Rechte mit summa cum laude promovierte.

Nach Ablegung des 1. juristischen Staatsexamens trat Hofmann 1928 in den bayerischen Archivdienst ein. Hier wurden seine rechtshistorischen Interessen durch den Generaldirektor der staatlichen Archive Bayerns, durch Otto Riedner, dieser gleichfalls Jurist und Rechtshistoriker, archivalisch vertieft. 1932 bestand Hofmann die große Staatsprüfung zum Archivdienst, auch hier, wie bei allen vorangegangenen Prüfungen mit ausgezeichnetem Ergebnis. Seit 1933 war Michel Hofmann dem Staasarchiv Bamberg als 3. wissenschaftlicher Beamter zugewiesen worden. Während des Krieges hatte der Verstorbene mehrere Jahre die Amtsgeschäfte mit bestem Erfolg geführt. Von dieser Tätigkeit zeugen heute noch zahlreiche und umfangreiche Ordnungsarbeiten an den archivalischen Beständen.

In jene Jahre fallen zugleich die wichtigsten historischen Veröffentlichungen. Die »Außenbehörden des Hochstifts Bamberg und der Markgrafschaft Bayreuth«, 1938 und 1939 erschienen, sind eine unmittelbare Frucht der dienstlichen Tätigkeit. 1941 konnte Michel Hofmann seine grundlegende Arbeit über die »Dorfverfassung am Obermain« veröffentlichen. Mißt man Hofmanns Arbeiten allein nach dem Umfang, so stehen sie freilich hinter manchen anderen voluminöseren Veröffentlichungen zurück. Doch inhaltlich sind sie unübertroffen. Der Leser gewinnt bei jedem Lesen neue Erkenntnisse. Dazu zeichnen sich Hofmanns Arbeiten durch Klarheit im Ausdruck und guten Stil aus und lassen nicht selten auch in der ernsten Fachsprache des Verfassers Witz und Humor durchschimmern. So schloß er vor der Drucklegung seiner Doktor-Arbeit über die mittelalterliche Entwicklung der Gerichtsverhältnisse im alten Amte Fürth mit seinen Archivkollegen eine Wette ab, daß er in den ersten drei Sätzen dieser Arbeit die Fußballmannschaft der Spielvereinigung Fürth zum Zuge kommen lassen würde. Michel Hofmann hat diese Wette klar gewonnen, denn er brachte die Fürther Fußballmannschaft schon im ersten Satz. Zugleich aber gab er in den ersten vier Sätzen Einführung und Problemstellung zu einem Thema, das er mit Prägnanz und Eleganz gelöst hat.

Michel Hofmann wollte, daß seine Arbeiten gelesen werden. Vielfach hatte er seine Veröffentlichungen zuvor als Vorträge gebracht. Als echter Franke war er dialogisch. Michel Hofmann suchte das Gespräch. Er lehrte, aber er belehrte nicht. Unzählige male sprach er vor histor. Vereinen, in den Volkshochschulen und auch im Rundfunk. Den Studenten der Universitäten Erlangen, Frankfurt und Würzburg, hier als Lehrbeauftragter für fränkische Rechtsgeschichte, vermittelte er seine reichen und fundierten Kenntnisse.

Neben den schon genannten größeren Arbeiten hatte Hofmann eine Unzahl von kleineren Veröffentlichungen zur fränkischen Geschichte herausgebracht; sie alle eine Frucht seiner archivalischen Belesenheit. Es wäre daher sicherlich berechtigt, vor diesem Gremium nur die historische Leistung des Verstorbenen zu würdigen; dies um so mehr, als Michel Hofmann seit seiner Arntstätigkeit am Staatsarchiv Würzburg auch die wissenschaftliche Arbeit der Gesellschaft für fränkische Geschichte und unserer eigenen Gesellschaft maßgeblich beeinflußte und steuerte. Ihm fiel die schwierige Aufgabe zu, das Erbe Wilhelm Engels fortzusetzen, eine Aufgabe, die er mit Geschick und juristischer Behutsamkeit meisterte. Doch das Charakterbild des Verstorbenen bliebe unvollständig, würde man nicht auch die Leistungen auf anderen Gebieten erwähnen.

Sicherlich nur wenigen ist bekannt, daß Hofmann sich auch politisch engagierte und durchaus nicht ohne Erfolgsaussichten für den Posten des Oberbürgermeisters von Bamberg kandidiert hat. Zudem gehörte er der Akademie für politische Bildung als Gründungs- und Ausschußmitglied an.

Ist die Beschäftigung mit der Tagespolitik für einen Archivar etwas Ungewöhnliches, so traut man ihm musikalische und dichterische Fähigkeiten schon eher zu. Michel Hofmann beherrschte Cello, Gitarre und Klavier, deren Kenntnisse er sich zum Teil als Autodidakt angeeignet hatte. Häusliche Chor- und Kammermusik wurde fleißig betrieben. Dazu war er auch ein guter Kenner der Musiktheorie. Seine Konzertkritiken waren geradezu Leckerbissen. Ein weiteres Zeugnis seinher musikalischen Interessen trat in der Zusammenarbeit mit Carl Orff zu Tage. Hofmann lieferte den Text für die Uraufführung der Carmina Burana.

Hofmanns Domäne waren jedoch die antiken Sprachen. Müssen die Archivare schon von Berufs wegen das Lateinische beherrschen, so galt Michel Hofmann auch bei seinen Fachkollegen als Meister der lateinischen und griechischen Sprache. In Zusammenarbeit mit Ernst Heimeran begann er die Tusculum-Reihe und brachte darin in den dreißiger Jahren die »Antiken Briefe« und zusammen mit Ernst Heimeran die »Antike Weisheit«, das zuletzt genannte Werk 1939 bereits in 4. Auflage, heraus. Ein weiteres Produkt aus der Beschäftigung mit der Antike war die Herausgabe des Julianischen Kalenders. Gleich den Humanisten begnügte sich Hofmann jedoch nicht nur mit der Entdeckung und Übertragung der Werke klassischer Schriftsteller, sondern seine Begeisterung für das Altertum reizte ihn, sich selbst in wohlgeschliffenem lateinischen Versmaß zu versuchen.

In der Tat, Michel Hofmann war nicht nur in Bildung, sondern auch im Charakter jenen Humanisten an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit gleich. Mit ihnen hatte er die umfassende Gelehrsamkeit gemein, und wie sie wurde er von innerer Unruhe zu immer neuen Aufgaben getrieben. Vielseitiges Interesse und Begabung ließen ihm kaum Zeit, eine Aufgabe bis zur letzten Reife durchzukomponieren.

Kein Wunder, daß Michel Hofmann immer wieder von den Humanisten, mit denen er so vieles gemein hatte, angezogen wurde. Aus dem Kreise dieser erlauchten Persönlichkeiten hatten es ihm besonders die fränkischen Humanisten angetan. Friedrich Taubmann, dem er in vielem ähnlich war, haben wir schon genannt. Bedeutsamer jedoch sind Hofmanns Arbeiten über Albrecht von Eyb, Joachim Camerarius, Conrad Celtis und Hugo von Trimberg. Durch die Beschäftigung mit ihren Werken hatte Michel Hofmann der fränkischen Geschichte eine bis dahin nur zu sehr vernachlässigte Quellengruppe erschlossen. Freilich liegen auch diese Arbeiten des Verstorbenen nur als Vortragsmanuskripte breit. Auch hier fehlte die Muße zur Drucklegung.

1945 hatten die Besatzungsmächte Michel Hofmann aus formalpolitischen Gründen seines Amtes am Staatsarchiv Bamberg enthoben. Doch Hofmann war ein viel zu reger Geist und dazu ob seiner geistigen und kulturellen Begabung ein viel zu bekannter Mann, um beim Wiederaufbau des Bamberger Geisteslebens abseits zu stehen. Die gleichen Leute, die ihn seines Postens enthoben hatten, holten ihn wieder und übertrugen ihm die Feuilleton-Redaktion der Bamberger Tageszeitung »Fränkischer Tag«. Diese Aufgabe schien für Michel Hofmanns Fähigkeiten und geistige Anlagen wie geschaffen zu sein. Sein Temperament, umfassendes Wissen und rastloser Geist konnten sich in dieser Stellung bewähren.

Als Feuilletonredakteur hatte er weit mehr als in seiner bisherigen Stellung die Möglichkeit, das Bamberger und darüber hinaus das oberfränkische und gesamtfränkische Kulturleben zu befruchten. Durch Besprechungen, Kritiken und Aufsätze in der Tagespresse förderte er Geistes- und Musikleben und die darstellende Kunst. Viele junge Künstler verdanken Ihm ihre Anerkennung. Mit wohlwollendem Interesse begleitete er die ersten Schritte der Prager Symphoniker in Bamberg, ihrer neuen Heimat. Dazu gab Michel Hofmann eine eigene Heimatbeilage zum »Fränkischen Tag«, die »Fränkischen Blätter«, heraus. Sie gehören unbestritten zum Besten, was es auf diesem Gebiet gibt. Für die Heimatforschung eine unerschöpfliche Quelle, für den Landeshistoriker ein wahres Lexikon. Als krönender Abschluß der 14 Jahrgänge fehlt nur das Gesamtregister. Außerdem gab Michel Hofmann auch eine Kinderbeilage heraus.

1956 trat Michel Hofmann wieder in seine alte Stellung am Staatsarchiv Bamberg zurück. Bald darauf wurde er am 15. April 1958 zum Vorstand des Staatsarchivs Würzburg als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Amtsvorstands Paul Fraundorfer ernannt. Diejenigen, die ihn von früher kannten, vermißten an ihm das Temperament vergangener Jahre. Man schrieb diese Ruhe der Weisheit des Alters zu. Doch rückschauend wissen wir, daß Michel Hofmanns Gesundheit bereits angegriffen war. Gleich einer Kerze, die an beiden Enden brennt, hatte sich der Verstorbene in rastloser Arbeit frühzeitig verzehrt. Vielleicht hatte er sich auch die Übersiedlung nach Würzburg und die Einarbeitung in den neuen Aufgabenbereich leichter vorgestellt. Die trotz aller fränkischer Gemeinsamkeit vorhandenen Unterschiede zwischen Ober- und Unterfranken auf geschichtlichem und auf archivalischem Gebiet hatte Michel Hofmann in dieser Größe nicht vermutet. Zudem hatte das Würzburger Amt immer noch mit starken Kriegsschäden zu kämpfen. Michel Hofmanns Einsatz galt daher zunächst der Beendigung des ersten Bauabschnitts, die wir im Juli 1964 anläßlich des 200jährigen Bestehens des Staatsarchivs in der Residenz mit einer öffentlichen Feier würdig begehen konnten. Hofmanns Amtsführung zeichnete sich durch Toleranz und Konzilianz aus. Allen Amtsangehörigen war er -ein gerechter Chef, bemüht, jeden seiner Mitarbeiter in der Fortbildung zu fördern. Die bei den Beamten üblichen dienstlichen Beurteilungen wurden ihm zur eigenen Gewissenserforschung. Leicht hatte er sich diese Entscheidungen nie gemacht.

Ebenfalls noch im Jahr 1964 war der Verstorbene als Mitglied des vorbereitenden Ausschusses der 150jährigen Wiederkehr der Zugehörigkeit Unterfrankens bei Bayern stark engagiert.
Sein wissenschaftlicher Beitrag zu diesem Jubiläum war zugleich seine letzte größere Arbeit. Er hatte sie dem Staat und den Bürgern des bayerischen Unterfranken gewidmet und hat damit ein Problem berührt, das ihn Zeit seines Lebens immer wieder beschäftigte: Das Verhältnis des Staates zu seinen Bürgern, die Verantwortung der Bürger gegenüber dem Staat.

Die letzten Jahre Michel Hofmanns waren ein ständiger Kampf gegen die nachlassenden Kräfte seines Körpers. Vergeblich versuchte sein Geist den Körper zu bezwingen. Bis zum letzten Wort hatte er an seine Gesundung und an die Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Arbeiten geglaubt.

In eines seiner frühesten Kolleghefte hatte er als Motto geschrieben: »Die meisten wollen etwas werden; ich will einer werden.«
Ist Michel Hofmann »Einer« geworden? Gemessen an den vielfältigen Geistesgaben und an der Intelligenz, die ihn auf vielen Gebieten zur Meisterschaft hätten führen können, ist dem Verstorbenen nicht zuletzt wegen seiner Unrast, die er mit den Humanisten gemein hatte, die höchste Krone versagt geblieben. Doch als Franke brauchte und wollte er wohl auch keine Krone. Michel Hofmann war Franke durch seine Ahnen, ist in Franken geboren und aufgewachsen. Seine reichen Geistesgaben dienten der Interpretation fränkischer Geschichte und Politik, fränkischer Kunst und Wissenschaft. Als Franke war er »Einer«, und zwar in der ganzen Fülle und Einmaligkeit.

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Friedrich Taubmann aus Wonsees.

 Stadt Waischenfeld, Marktplatz 1, 91344 Waischenfeld