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Die Kulturseiten von Waischenfeld
Waischenfelds Gasthof "Post", der im Wechsel der Generationen und
Besitzer so viel Prominenz als Gäste beherbergte, wird, wie wir schon
berichteten, in absehbarer Zeit ein neues Gesicht zeigen. Wer immer das
gastliche Haus, das das typische Bild des Waischenfelder Marktplatzes
mitprägt, durch das steinerne Portal und die Gewölbe des kühlen
Hausflurs betrat, der ahnte wohl, dass ihn eines jener alten
Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert aufnahm, das mit der Geschichte
des Städtchens in der Zeit seines Wiederaufblühens nach dem
zerstörenden 30jährigen Krieg in besonderem Maße verknüpft ist.
So beginnt denn auch die Hausgeschichte der "Post" mit zwei großen
Waischenfelder Namen: Einmal ist es Wenzel Schwesner - Schwesinger,
geboren 1710, gestorben 1772, der herausragende Vertreter jenes
Waischenfelder Landbaumeistergeschlechtes, das weit über ein
Jahrhundert hinaus das ostfränkische Land als Baumeister barocker,
kirchlicher und profaner Gebäude baulich mit gestaltete. Von Meister
Wenzel, dessen Wirkungskreis von Marienweiher über Kupferberg,
Nankendorf, Oberailsfeld, Pretzfeld, Trockau bis Vilseck reichte,
schrieb Karl Sitzmann in seinem Buch "Künstler und Kunsthandwerker in
Oberfranken":
"Das stimmungsvolle Marktplätzchen
(seines Heimatstädtchens) ist größtenteils der Initiative Wenzel
Schwesingers zu danken." Sicher meint Sitzmann damit schon die
Marktplatzgestaltung, an der so auffallend ist, dass ihn die Häuser aus
Wenzels Zeit (zum Unterschied von den Giebelfronten der einmündenden
Hauptstraße) mit ihrer Längsseite umrahmen, wahrscheinlich aus dem
architektonischen Bemühen, den Platz zu weiten. An der heutigen -
bereits veränderten - Fassade der "Post" lassen nur noch der
Hauseingang und das Mittelfenster darüber Schlüsse auf den Baumeister
zu. Und hier - wie auch am Haus Bäckerei Heckel gegenüber -läßt sich
die Hand Wenzel Schwesners deutlich erkennen, der sich ja
gegenüberliegend am Weg zum Kaulberg 1746 selbst ein Haus erbaute
(unterdessen durch einen Zweckbau ersetzt), das die gleiche Formgebung
des Eingangs zeigte".
Als zweiter Name steht der Waischenfelder Amtskastner Handel am Anfang
der "Post"- Hausgeschichte. Drei Vertreter dieses Geschlechts, das
bereits 1220 Im holländischen Nordbrabant genannt wird und dem später
(1871) in Österreich die Dichterin Enrica Handel-Manzzetti entspross,
hatten in Waischenfeld dieses Amt inne: Franz Jakob Handel. vordem
kaiserlich-öffentlicher Notar in Weismain, der 1725 in Waischenfeld als
Kastner beurkundet ist. Sein jüngerer Bruder Philipp Sigmund Handel
betätigte sich in Waischenfeld bereits in jungen Jahren als
Vogteischreiber, verzog dann vorübergehend nach Herzogenaurach, kehrte
als Stadtschreiber 1725 wieder nach Waischenfeld zurück, wo ihm im
gleichen Jahr das Vogteiamt übertragen wurde. Mit Dekret vom 8.12.1745
wurde er zum Amtskastner von Waischenfeld ernannt. Am 26. 2.1759 starb
Philipp Sigmund Handel; sein Nachfolger wurde sein Sohn Gottfried
Sigmund.
Philipp Sigmund Handel ist der für Waischenfeld bedeutsamste Vertreter
der Familie. Sein Wohlstand spiegelt sich schon darin wider, dass er
als Stifter des St.-Antonius-Altars in der Waischenfelder Stadtkapelle
genannt wird. Mit aller Wahrscheinlichkeit ist er auch der Bauherr der
"Post", die sich freilich viel später diesen Namen gab.
Der Waischenfelder Chronist Studienrat Benedikt Spörlein nennt in
seinen .,Aufzeichnungen über den Besitzerwechsel der Häuser in
Waischenfeld zwischen 1826 und 1901" ebenfalls die Handelschen
Amtsleute als Erbauer des Hauses. Allerdings wird hier schon von einer
Gastwirtswitwe Elisabeth Löwisch als Besitzerin gesprochen, so dass
feststeht, dass das Haus unterdessen die Funktion eines Gasthofes
übernahm. Als "Löwisches" Gasthaus hatte das Haus am 23. 9. 1837
Kronprinz Max von Bayern als Übernachtungsgast und am 6. 7. 1851 nahmen
hier, von Greifenstein kommend, König Maximilian II. und Königin Maria
das Mittagsmahl ein.
Nach einem Johann Held folgte als Gastwirt der 1824 in Kirchenbirkig
geborene Jakob Hofmann, der am 15. Mai 1880 als Posthalter
WaischenfeIds Postexpedition und Poststall mit übernahm und wohl damit
auch dem Gasthof seinen heutigen Namen gab. Nach seinem Tod übernahm
1891 sein Sohn Michael Hofmann Gasthof und Posthalterei. Am 1. 4. 1907
wurde die Waischenfelder Postagentur hauptberuflich mit der Postagentin
Marie Probst besetzt, nachdem schon 1904 mit der Eröffnung der
Lokalbahn Bayreuth-Hollfeld der Poststall aufgehoben wurde. Die
Diensträume der Post verblieben im "Post"- Gasthof, der als
Schalterraum dann sogar einen eigenen Vorbau erhielt. Als sich der
Nachfolger von Maria Probst, Postagent Hans Wolf aus Löhlitz, am
Hinteren Tor 1924/25 ein eigenes Haus erbaute, zog die Postagentur
dorthin mit um. Als Gasthof aber behielt die "Post" ihren Namen bei.
A. Kellermann, am Donnerstag, 22. April 1971 im Fränkischen Tag
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