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Die Anna-Kapelle
Die Anna‑Kapelle, ein schlichter romanischer Bau, gebaut auf das
massive Gewölbe des Ossariums (hier befinden sich die Totengebeine des
aufgelassenen Friedhofes) soll schon Ende des 13. Jhs. als
Familiengruft der Burgherren errichtet worden sein. Erstmals erwähnt
wird die Kirche 1509, als aus Spenden der Bürger Reparaturen ausgeführt
und Kirchengewänder angeschafft wurden. Innen an der Ostwand der
Kapelle steht der Altar (um 1660), mit barockem Knorpelwerk umrahmt er
das Altarbild der hl. Anna mit der Jungfrau Maria und dem Jesuskind auf
dem Schoß. Dieses Ölbild malte 1851 der damalige Pfarrherr Michael
Störcher. Auf dem Altar standen früher zwei Anna‑Selbdritt‑Figuren.
Eine davon befindet sich heute in der Stadtkapelle, die zweite Figur
steht in der Stadtpfarrkirche. Aus dem Jahre 1775 ist bekannt, dass ein
Schreiner Bogner aus Trockau eines Nachts in die Anna‑Kapelle einbrach.
Er stahl eine der zwei Anna‑Selbdritt‑Figuren und vergrub sie in einem
Garten in der Nähe der Hammermühle. Dabei wurde er beobachtet, so dass
der Kirchenraub aufgeklärt und der Täter bestraft werden konnte. (In
jener Zeit hackte man den Dieben vorzugsweise die Hände ab.)
Von 1834 ist bekannt, dass der gebürtige Waischenfelder und
Lederhändler zu Wien, Georg Kellermann, der AnnaKapelle 120 Gulden für
Reparaturen am Dachstuhl stiftete. 1838 riefen Waischenfelder Bürger
den Anna‑Verein ins Leben (monatlicher Beitrag damals 10 Pfennig). Auf
das Jahr 1851 geht ein Gelöbnis zurück. Im Juli dieses Jahres brach
über die Stadt ein schweres Gewitter herein, das viel Schaden
anrichtete. In ihrer Not gelobten die Waischenfelder, alljährlich einen
festlichen Anna‑Tag zu begehen, um vor weiteren Unwettern verschont zu
bleiben. (Zwei Jahre später übrigens traf dies ein, als rings um
Waischenfeld schwere Unwetter tobten, die Stadt selber aber verschont
blieb.) Bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts hielt man
diesen Brauch aufrecht, dann wurde der Feiertag, wie viele andere, auch
eingestellt. 1882 stiftete eine Bürgerin der hl. Anna neue
Kirchenstühle (vom Waischenfelder Schreiner Hofknecht angefertigt)
sowie zwei Ölgemälde, die den hl. Josef und den hl. Joachim darstellen.
1885 vermachte ein Saugendorfer der Kapelle einen Kronleuchter, 1886
wurde das Harmonium angeschafft.
1958 unter Pfarrer Völker versah man das Beinhaus mit einem
schmiedeeisernen Gitter (hergestellt von den SchmittBrüdern am
Kaulberg). Heute präsentiert sich die Anna‑Kapelle in relativ gutem
Zustand. Sie dient als Aufbewahrungsort von Fahnen und Figuren (die
noch für Prozessionen gebraucht werden), die alten Kirchenstühle
ersetzte man durch neue, das alte schadhafte Harmonium wurde entfernt,
die bei den Anna‑Selbdritt‑Figuren stehen in der Pfarrkirche bzw. in
der Stadtkapelle, die Türe ist wie immer versperrt.
Der Festtag der heiligen Anna ist der 26. Juli. Sie gilt als Helferin
in allen Nöten, besonders aber gegen Blitz, Donner und Hagel. Bei
einsetzendem Gewitter entzündeten die Leute eine geweihte schwarze
Sturmkerze und dazu rief man die hl. Anna an: "Jesus, Maria und Anna,
treib die Gewitter von danna, Joachim und Anna, treib die Gewitter von
danna." oder: "Heilige Sankt Anna, treib die Gewitter von danna, treib
sie in ein anderes Land, wo es niemand schaden kannt." Es ist auch
nachgewiesen, dass bis Anfang des 19. Jhs. die große Anna‑Glocke bei
Gewitter geläutet wurde, damit die Einwohner die Fürbitte der hl. Anna
erflehen.)
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