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DenkmäIerwanderung um Waischenfeld
Reinhard Löwisch:
Die Fränkische Schweiz ist reich an Naturschönheiten wie engen
mäandernden, felsbestückten Tälern, geheimnisvollen, vorgeschichtlichen
Höhlen, sagenumwobenen Burgruinen und majestätischen Schlössern. Dieses
kleinräumige, von der Landwirtschaft geprägte Gebiet zog deshalb schon
vor 200 Jahren bekannte Schriftsteller, Maler und Dichter in seinen
Bann. All die Schönheiten der Landschaft zu sehen und zu genießen,
musste man früher auf holprigen Fahrstrecken manchen Umweg in Kauf
nehmen, um zu Fuß, auf Pferden oder in Kutschen die Gegend kennen zu
lernen. Der Fränkische Schweiz-Verein, 1901 gegründet, war es, der
anfing die felsbestückten Täler und bewaldeten Höhen mit Wanderwegen zu
erschließen und zu verbinden. Seither konnte ein dichtmaschiges Netz
von rund 4000 Kilometern Länge durch das "Muggendorfer Gebürg", wie die
Fränkische früher hieß, gezogen werden. 120 Kilometer dieser Wanderwege
liegen auf dem Gebiet der Gemeinde Waischenfeld im oberen Wiesenttal.
Einen kleinen Teil davon möchte ich Ihnen auf der "Denkmälerwanderung"
durch drei Täler vorstellen.
Wegbeschreibung: Von
Waischenfeld über Gutenbiegen dem Wiesenttal entlang nach Nankendorf,
weiter über den Höhenweg nach Löhlitz ins Schmierbachtal, quer durch
die "Langeweil", einem großen zusammenhängenden Waldgebiet ins
Zeubachtal und über Neusig und Zeubach zurück nach Waischenfeld. Die
Strecke ist landschaftlich wie kulturell sehr abwechslungsreich, etwa
19 Kilometer lang und stellt keine besonderen Anforderungen an den
Wanderer. Einkehrmöglichkeiten bestehen in Nankendorf (Gasthof Polster
und Gasthof Schroll, eigene Brauerei); in Löhlitz (Gasthaus Graf); in
Neusig (beim "Alten Fritz") und natürlich in Waischenfeld.
Wir beginnen unsere Wanderung in Waischenfeld auf dem
Bischof-Nausea-Parkplatz bei der Verbandsschule. Schon hier köonnen
zahlreiche Denkmäler bewundert werden. Links auf dem Platz steht das
Spital, 1514 erstmals errichtet, mit einer Inschrifttafel, die an den
größten Sohn Waischenfelds, Friedrich Nausea, Bischof von Wien,
erinnert. Links daneben die Stadtkapelle aus dem 17.Jahrhundert, deren
Ausstattung in der Hauptsache von Johann Michael Doser stammt. Hoch
darüber thronen am westlichen Talhang erblicken wir das Wahrzeichen
Waischenfelds, den "Steinernen Beutel". Dieser Rundturm aus dem 15.
Jahrhundert gehörte einst zur umfangreichen Burganlage der Herren von
Schlüsselberg. Ein Überbleibsel dieser Burg ist auch das sogenannte
Oberamtsschloß, ein Langhausbau des 18. Jahrhunderts. Dieses Gebäude
beherbergt heute eine Gastwirtschaft, ein kleines Heimatmuseum,
Galerieräume und die Schießanlage des hiesigen Schützenvereins. Rechts
des Parkplatzes in die Betonmauer des Schulhofes eingelassen finden wir
einen weiteren Rest mittelalterlicher Burgenherrlichkeit, das rund 650
Jahre alte Wappen der Schlüsselberger Herrschaft, in deren Verlauf
Waischenfeld Stadt- und Marktrechte bekam.
Rechts der Schule überqueren wir nun den Holzsteg und gehen dann links
weiter Richtung Freibad, vorbei an der alten "Geißelkapelle" (Alter und
Grund der Aufstellung unbekannt) zum Parkplatz vor dem Freibad. Hier
sehen wir eine weitere, bis heute geschichtslose Wegkapelle. Daneben
stehen die beiden ältesten Kleindenkmäler Waischenfelds, ein
Steinkreuz, und ein Kreuzstein, beide vermutlich aus dem Mittelalter
stammend. Wir biegen hier links ab, dem Wegweiser (gelber Querbalken)
folgend rechts am Bad vorbei in den Wald. Am Ende der Einzäunung,
innerhalb des Zaunes steht eine Steinmarter mit Blechbildern aus der
Zeit um 1750 mit eingemeißeltem Hufeisen und Buchstaben. Der Weg wird
nun etwas schmaler und bringt uns zum "Schlößlein Gutenbiegen", einem
ehemaligen Rittergut aus dem 15. Jahrhundert, heute Bauernhof. Hier
gehen wir rechts, dem gelben Querbalken folgend und laufen dem
Wiesenttal entlang nach Nankendorf.
Unterwegs stoßen wir auf eine weitere Steinsäule, die
"Hirschsprungmarter", welche 1782 von den Angehörigen als Andenken an
einen tötlichen Unfall aufgestellt wurde. Schon von weitem sehen wir
Nankendorf, idyllisch ins Wiesenttal eingezwängt mit seiner imposanten
Pfarrkirche, errichtet 1746/48 vom Waischenfelder Baumeister Wenzel
Schwesner.
Dieses Gotteshaus, dem hl. Martin geweiht, ist Sinnbild für die
ehemalige Urpfarrei Nankendorf, welche schon vor Gründung des Bistums
Bamberg (1007) bestanden haben soll. Wie viele Vorgänger diese
ehemalige Wehrkirche hatte, ist ungewiß. Auf einer Jagdkarte von 1718
hatte sie den Chor nach Osten gewandt. Auf dieser Karte ist auch noch
die Kirchhofbefestigung aus dem 15. Jahrhundert zu sehen, sie wurde
kurz nach 1816 bis auf die heutigen Mauerreste abgebrochen. Von
besonderer Bedeutung für die Pfarrei war, daß sich Ende des 14.
Jahrhunderts, inmitten der "Königspfarrei Nankendorf", eine eigene
Stadtpfarrei Waischenfeld ausbildete. Und schon kurz nach 1406 betreute
nun der Waischenfelder Pfarrer auch die Pfarrei Nankendorf. Erst seit
1938 ist der Ort wieder eigene Pfarrei. Zum Pfarrsprengel gehört nun
Plankenfels und Wohnsgehaig, zusammen etwa 1 300 Gläubige. Die barocke
Inneneinrichtung der von Michael Küchel entworfenen Ortskirche gibt ein
gutes Zeugnis handwerklicher Kunst der näheren Umgebung, (Orgel von
Dresel aus Hollfeld, Kreuzweg von Link aus Kronach, Reliefs vom
Bamberger Hans Nußbaum und einem Wendelin vom Ebermannstädter Friedrich
Theiler.
Sind wir dann im Ort angekommen, stehen wir vor der Holzbrücke mit der
300 Jahre alten Mühle und dem altertümlichen Wehr. Dieses malerische
Bild sucht seinesgleichen, soll aber bald der Hochwasserfreilegung
geopfert werden. Hier biegen wir rechts ab, dem Wegweiser Schützenhaus
und dem diagonal rot-weiß unterteiltem Wegweiser folgend. Nun erklimmen
wir die anfangs geteerte Straße, am Schützenhaus vorbei in den Wald.
Bei der scharfen Linkskurve, machen wir einen Abstecher (geradeaus,
gelber Querbalken) zur 150 Meter entfernten (der Muttergottes
geweihten) Aukapelle, welche Ende Juli 1992 von den Nankendorfern
renoviert wurde. Dieses kleine Wallfahrerkirchlein, schon 1718 in einer
Jagdkarte eingezeichnet, entstand aus einer Marter (siehe
Dreifaltigkeitsmarter), die man im Laufe der Zeit zu einer Kapelle
erweiterte. Der Weg an der Aukapelle vorbei führt übrigens nach
Waischenfeld zum Freibad.
Doch wir gehen zu rück zu r scharfen Kurve und folgen dem Weg
(rot-weiß), der uns nach kurzer Strecke zur über zwei Meter hohen
Dreifaltigkeitsmarter bringt. So könnte früher die Aukapelle ausgesehen
haben. Die Marter birgt ein Gemälde des verstorbenen Waischenfelder
Kunstmalers Hans Braun. Es zeigt die Krönung der Muttergottes durch die
hl. Dreifaltigkeit. Auch hier ist nicht bekannt, wann und von wem die
Martererrichtet wurde, doch gibt es von diesem Platz viele Sagen. Eine
erzählt, daß ein Bauer von seinem Fuhrwerk "geköpft" wurde, andere
Geschichten beziehen sich auf das "Wütende Heer in den zwölf Nächten".
Wir folgen von hier aus dem roten Punkt, der uns etwa einen Kilometer
weiter runter ins Schmierbachtal zur Einöde Schafhof bringt.
Der Name "Schafhof" ist schon uralt. Im Mittelalter, als LöhIitz
wechselweise im Besitz der Herren von Christanz, Egloffstein und dem
Bistum Bamberg war, befand sich hier, etwas abseits des Dorfes Löhlitz,
tatsächlich eine Schafhut. Beim linken Anwesen Hausname "Burcher"
(Burgherr) an der Straße von Nankendorf nach Löhlitz, steht am Hang
eine weitere 190 Zentimeter große Bildsäule, ausgestattet mit
Hinterglasbildern von Karl Dill aus Bayreuth. Der Grund der Aufstellung
konnte bis heute nicht ermittelt werden. Auffällig ist aber, daß viele
der Martern im Gemeindebereich Waischenfeld an steilen Bergwegen
stehen, möglicherweise ein Hinweis auf etwaige Unglücksfalle, bei denen
Menschen umgekommen sind. Der Wegweiser, roter Punkt, nach Löhlitz ist
etwas ungenau, wir müssen nämlich vor der Fahrstraße, rechts abbiegend
dem Schotterweg entlang, weiter laufen um nach etwa einem Kilometer
wieder auf die Straße stoßend in die Ortsmitte von Löhlitz, beim
Brunnen, zu gelangen. Löhlitz, seit 1978 zur Gemeinde Waischenfeld
gehörig wurde schon 1380 erstmals als "Lelaycz" genannt. Dieser
slavische Ortsname übersetzt etwa "Angehörige des Lelek" heißend, soll
darauf hindeuten, daß Slaven, welche als geschickte Rodungsbauern
galten, im Mittelalter angeheuert wurden, um die unermeßlichen Wälder
abzuholzen. Im Ort konnte Kunstmann zwei Schlösser nachweisen. Das
",Gicksschloß", heute Anwesen Nummer 38, eine mit einem Wassergraben
umgebene Turmhügelburg und ein weiteres Schloß im Bereich der Häuser 4
und 5.
Wir folgen beim Brunnen dem Wegweiser "Wohnsgehaig". Diese anfangs
geteerte Straße bringt uns in einem großen Bogen, leicht ansteigend ins
sogenannte "Oberndorf", dem Oberlauf des Schmierbaches. Hier sollen der
Sage nach, kleine schlitzäugige Krieger ein Holzdorf errichtet haben
und in den umliegenden Gegenden auf Beute aus gewesen sein. Auf der
Höhe des Buckels angelangt, teilt sich der Weg in zwei Wege. Der linke
(Roter Punkt) führt steil den Berg hoch nach Wohnsgehaig, der rechte,
ihm wollen wir folgen, bringt uns leicht abwärts in die unberührte
Landschaft des Tales und zum "Wolfskreuz", zwischen zwei Birken. Hier
in dieser Natureinsamkeit ist der ideale Platz, sich auf der hölzernen
Bank etwas auszuruhen und die Natur zu genießen. Das alte Kreuz, 1986
erneuert und restauriert, ist über vier Meter hoch und heißt deshalb
so, weil die Familie Wolf aus Löhlitz seit Jahrzehnten ein waches Auge
darauf hat. Warum es aufgestellt wurde ist nicht bekannt.
Hier nehmen wir nun den rechten Weg (kein Wegweiser), der uns über eine
kleine Brücke in den Wald und in einem rechten Bogen zur Straße Löhlitz
-Wohnsgehaig bringt. Diese überqueren wir schräg nach rechts und kommen
zu einem Forstweg, der sich nach 100 Metern teilt. Dort nehmen wir den
linken Weg, an der Schranke vorbei hinab ins Zeubachtal. Auf guter
Schotterstraße erreichen wir bei der zweiten Schranke, rechts
abbiegend, den Wanderweg nach Neusig (Gelbes Kreuz). Etwa zwei
Kilometer weiter, durch das autofreie Zeubachtal, kommen wir in Neusig
an. Mitten im Ort stehen wieder Wanderwegweiser. Der rechte Weg (Gelbes
Kreuz) führt über die Hochfläche zurück nach Waischenfeld (Freibad),
doch wir nehmen den Weg geradeaus, er bringt uns auch (3 Kilometer) im
Tal entlang, über Zeubach nach Waischenfeld.
Von Neusig aus führt uns die ausgeschilderte Fahrstraße (wenig Verkehr,
da die Straße in Neusig endet) zuerst zu einer Einöde "Ziegelei"
genannt, mit einem Kreuz am Weg. Dieses Mal erinnert an einen
Raubüberfall im Jahre 1920, bei dem die Besitzerin des Anwesens durch
einen Messerstich ums Leben kam. Der Name Ziegelei erinnert an die
Glanzzeit des Ortes Kugelau. Vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis Ende
des ersten Weltkrieges wurden hier Ziegeln hergestellt. Mit dem Tode
des Besitzers endete diese Ära. Einige hundert Meter weiter, stoßen wir
auf die Straße Volsbach - Zeubach, der wir rechts abbiegend folgen.
Nach kurzer Strecke sehen wir linker Hand etwas erhöht neben der Straße
die "Nikolauskapelle". In ihr standen früher ein mit Rankenwerk
überzogener Holzaltar und Heiligenfiguren aus dem 12. Jahrhundert. Das
gesamte Inventar der Kapelle ist verschwunden, nach kürzlich erfolgter
Restaurierung befindet sich nun eine Herzens Maria und ein Kreuz auf
dem Betonsockel des Altars. Bald erreichen wir Zeubach. Nach einer
scharfen Rechtskurve am Ortseingang gibt es wieder verschiedene
Möglichkeiten, weiter zu laufen. Links, steil den Berg hoch könnte man
über Hannberg den ausgeschilderten Wanderweg nach Waischenfeld begehen.
Oder bei der Ortskapelle, rechts der rot -weißen Raute folgend,
ebenfalls auf einem Höhenweg nach Waischenfeld gelangen. Alle müden
Wanderer werden jedoch auf der Fahrstraße im Tal bleiben, die uns nach
zwei Kilometern, vorbei an einem Kreuzstein (rechts am Hang) und der
"Metzgermarter" am Ortseingang zu unserem Ausgangspunkt bringt.
Nähere Einzelheiten zu den beschriebenen Denkmälern und zur Geschichte Waischenfelds entnehmen sie bitte den Schriften:
500 Jahre Bischof Friedrich Nausea: Aus der Geschichte der Stadt und Pfarrei Waischenfeld. Waischenfeld 1987.
Löwisch Reinhard: Geschichtliches und Sagen um Denkmäler der Gemeinde
Waischenfeld. (Heft 2 der heimatkundlichen Beihefte, herausgegeben vom
Arbeitskreis Heimatkunde im FSV). Erlangen 1990.
Kunstmann Hellmut: Die Burgen der östlichen Fränkischen Schweiz. Würzburg 1965.
Poscharsky Peter: Die Kirchen der Fränkischen Schweiz. FSV
Schriftenreihe (Die Fränkische Schweiz- Landschaft und Kultur, Band 6).
Erlangen 1991.
Kartengrundlage ist die Fritsch Wanderkarte, Blatt 148, "Nordöstliche Fränkische Schweiz".
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