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Bernhard Schweßinger: 500 Jahre Bischof Friedrich Nausea
Gedenken an einen großen Mann des Reformationszeitalters
Stadt- und Pfarrgemeinde von Waischenfeld feierten 1987 das 500.
Geburtsfest ihres bekanntesten Sohnes, des Wiener Bischofs und Trienter
Konzilsvaters Friedrich Nausea (+ 1552). Die Hauptfeier bildete das
Wochenende vom 26. bis 28. Juni 1987. Weiterhin wurden Konzerte,
Vorträge, eine Ausstellung in der Burg Waischenfeld und eine Fahrt zu
den Wirkungsstätten dieses Bischofs veranstaltet.
Friedrich Nausea - mit Recht einer der größten Männer unserer
Fränkischen Schweiz - kann gerade in unserem konfessionsgespaltenen
Gebiet ein Vorbild in der Ökumene sein. Denn durch seine Thesen vom
Gebrauch des Laienkelchs und von der Aufhebung des Zölibats, die er auf
dem Trienter Konzil vorbrachte, wollte er der damaligen Kirchenspaltung
entgegenwirken und zur Einheit verhelfen. Doch nicht nur seine
Konzilstätigkeit, auch als Hofprediger in Mainz und Wien, wo er 1541
zum Bischof ernannt wird, ist er für uns interessant.
Seine Liebe zur Heimat wird immer wieder deutlich. Nausea, der stets
knapp an finanziellen Mitteln war, stiftete 1550 den gotischen Chor der
Pfarrkirche zum heiligen Johannes der Täufer in Waischenfeld und
hinterließ auch einen großen Teil seiner Bibliothek und seiner
Kostbarkeiten der Vaterstadt.
Dieser Nachlaß ist leider im Laufe der Jahre verschwunden, doch konnte
von Waischenfelder Seite in den letzten Jahren Schriften von Nausea
aufgekauft werden, auf die man nun besonders stolz verweist. Weiterhin
wurde die neu geschaffene Pfarrbibliothek als Nausea- Bücherei benannt,
so daß in diesem Bereich an Nauseas letztem Wunsch angeknüpft wurde.
Übrigens sei noch erwähnt: die einzige an Nausea erinnerte Gedenktafel
befindet sich in der Pfarrkirche zu Waischenfeld (siehe Bild).
Es heißt dort: Friderich von Gottes gnaden, bischofe zu Wien, Römische
auch zu hungern und behaim & c. kuniglicher Majestät hofrathe, hot
Gott zu Eren und aller menschen andacht diesen Chor auff sein aigen
kosten lassen machen. Im Jar nach Christi geburt MDL (1550)
Schauen wir nun zurück, und versuchen wir, einen Einblick in Leben und
Werk dieses großen fränkischen Theologen zu gewinnen. Friedrich Grau
(sein ursprünglicher Name), der seinen Namen nach Humanistenart zu
Nausea ("mir graut") übersetzte, wurde kurz vor 1490 in Waischenfeld
als Sohn des Wagners Hanns Grau geboren. Ein genauer Geburtstag ist
nicht nachzuweisen. Geboren wurde er in dem der Waischenfelder
Stadtkapelle gegenüberliegendem Haus, welches 1633 im Schwedenkrieg
abbrannte. Noch heute erinnert an dieser Stelle eine am Haus
angebrachte Statue daran.
Daß Nausea in Waischenfeld geboren ist - was im letztem Jahrhundert
noch von mancher Seite bestritten wurde -darauf verweist nicht zuletzt
sein im Jahre 1527 erstellter Geburtsbrief, der in Nauseas Gedenkbuch
"Acta et notata" zu finden ist. Es heißt dort (gekürzt): "Wir, die
Burgermeister unnd Radt der Stat Weyschenvelt Bekennen offentlich mit
diesein Brief geen jedermenigelich, Das für unns unnd unnseren offen
sitzenden Ratt daselbst khomen unnd gestanden ist, Der Ersam Georg
Graww unnser mitburger hie zu Weyschenvelt ann Stat unnd von wegen des
Erwirdigen unnd Hochgelertten Herrn Fridrichen Graweb Doctor beder
Rechten, prediger im Thumstifft zu Meintz unnd pharherrn zu Frannckfurt
unnd seines Lieben Herrn unnd Bruedersw zeigt ann, wie bemelter sein
Herr und Brueder zu anliegen der seiner nottdurfft ein urkundt seiner
geburt nottdurftig were, Unnd pracht als balde mit ime fur gericht vier
zeugwirdig bidermener (...) welche gedachts seines Herrn unnd Brueders
auch seiner geburt unnd herkhomens gutt wissen trugen."
"Darauff sagten genante: Hanns Graw Herrn Fridrichen Grawen vatter
seliger hette ein Junckfrauen Catharina gnant Erhartten Retschmans zum
Oberageses tochter zum heiligen Sacrament der Ehe genomen, mit
derselben zu der pharkhirchen zu Nanckhendorff nach loblicher
gewonhaltt der Christenlichen khirchen zu khirchen unnd strassen
ganngen Darnach zu Wonsgehaw sich Ehelich Zuhaus gesetzt. ( ... )
Als bald fragt Georg Graw durch seinen fürsprechen ob man seinen Herrn
und Brueder solcher sag icht billich brieffe unnd schrifftlich urkhund
gebe" ( ... ) Der Abschluß dieses Briefes lautet: "zu urkhundt haben
wie unnser gemeiner Statt Insigell wisenlich an disen Brieff gehangen,
Der geben ist am Mittwochen Sanndt Barbaren tag der hailigen
Junckfrauen nach Christi unnseres lieben Herrn gepurt fünfzehn hundert
unnd im Siebenundzwaintzigisten Jare. "
Nauseas Eltern wurden also in der Nankendorfer Kirche getraut (in
dieser Zeit ist das Verhältnis der Urpfarrei zur Tochterpfarrei
Waischenfeld noch verschwommen), wohnten dann kurze Zeit in Wohnsgehaig
und zogen von dort nach Waischenfeld. Wahrscheinlich wurde Nausea von
der hiesigen Geistlichkeit gefördert und in die Bamberger Domschule
gebracht, wohl auch durch das gute Verhältnis der Familie zum Bamberger
Bürgermeister Johann Brunn.
Entdeckt und gefördert von Johann von Schwarzenberg, nimmt Nausea 1514
mit dessen Söhnen das Studium in Leipzig auf, wo noch andere
Waischenfelder im Universitätsmatrikel zu finden sind. Im selben Jahr
1514 tritt er in den geistlichen Stand ein und empfängt vom Bamberger
Weihbischof Kaspar im Dom das Akolythenamt.
1516 verlassen Paul von Schwarzenberg und Nausea das von Pest geplagte
Leipzig. Nausea nimmt in den folgenden Jahren Kontakt mit den
Humanisten, besonders mit Erasmus von Rotterdam, den er des öfteren in
Basel besucht, auf. Im Jahr 1518 begibt er sich nach Pavia in Italien.
Er veröffentlicht dort am 13. Oktober 1519 seine Arbeit über die
Hauptgedanken des Lactancius.
Nausea schreibt in Pavia: "Er habe den Entschluß gefaßt, in den Tempel
der hochheiligen christlichen Philosophie einzutreten. Er wolle nämlich
zur Vorrathskammer der Theologie sich wenden, damit er sich mit Ihr zu
einem guten und glückseligen Leben heilsamen Früchten bereichern
könne." Im Juli 1521 habilitierte sich Nausea in Padua als Lehrer der
Poetik und Rhetorik. Im Herbst dieses Jahres reisen die deutschen
Mitstudenten in die Heimat zurück. Nausea bleibt in Italien. Er
schreibt am 16. Januar 1522 an seinem Bruder Georg: "Eine so lange
Reise nach dem fernen Deutschland wäre bei seiner geschwächten
Gesundheit gar nicht möglich gewesen, da er nur mit Mühe auf den Füßen
hätte stehen und kaum zum nächsten Haus hinken können. ( ... ) Diese
Erkrankung sei auch die Ursache, warum er die juridischen Studien
unterbrochen habe.
Um nun doch nicht ganz müßig zu sein, habe er angefangen, die schönen
Wissenschaften zu betreiben und daran sich zu ergötzen." (gekürzte
Fassung) In Padua schreibt Nausea das Werk An Artem Poeticem" und
widmet eine weitere Schrift dem Kardinal Laurentio Campeggio. Nach
seiner Genesung setzt er sein rechtwissenschaftliches Studium fort und
erreicht am 17. März 1523 "nach glänzend abgelegten Examen" den
Doktorgrad der jurisprudens. Nausea hielt hierzu im erzbischöflichen
Palais von Padua eine hervorragende Rede.
Seine theologischen Studien hatte er in Italien nie ganz zur Seite
gelegt, wahrscheinlich setzt er sie noch 1523 in Siena fort. Zu Beginn
des Jahres 1524 wird Nausea zum Sekretär des Kardinal Campeggio auf den
Nürnberger Reichstag berufen, womit sein Wirken in dem schon schwer von
der Reformation gezeichnetem Deutschland beginnt. Weshalb Campeggio
gerade Nausea zu seinem Sekretär wählt, dafür sprechen wohl zwei
Gründe: zum einen die guten Deutschlandkenntisse und zum anderen
Nauseas literarischen Tätigkeit, die dem Kardinal bekannt war.
Am 14. März 1524 kamen sie in Nürnberg an. Der Österreichische König
Ferdinand ritt ihnen entgegen und wies auf die revolutionären
Vorkommnisse in der Stadt hin, weshalb sie als einfache Reisende
einziehen sollten. Von Campeggio beauftragt, schreibt Nausea hier ein
Begleitschreiben zu den Vorwürfen der deutschen Stände, den "Gravamina".
Nausea war somit plötzlich in die deutschen Verhältnisse hineingezogen und stand in Nürnberg mitten im Konflikt.
Danach wird er von Campeggio nach Bretten zu Melanchton geschickt. Die
Verhandlungen blieben dort erfolglos. Dasselbe gilt für seine
Unterredung mit Erasmus in Basel, er findet aber bei diesem
Anerkennung. Aufgrund der besonderen Verdienste ernennt ihn Campeggio
am 12. September 1524 in Wien zum "Notarius papae et apostollcae sedis
et comes aulae palattl Lateranensis
1525 kehrt Nausea nach Italien zurück (Rom, Bologna) und schreibt von
dort einen Aufruf an Karl V. um Hilfe für Kirche und Reich. Am 7.
Oktober 1525 fordert Johann Cochläus aus Deutschland Nausea auf, so
schnell wie möglich nach Frankfurt zu kommen, damit er die Pfarrei
Sankt Bartholomäus übernehme. Es seien bereits Aufstände im Gange.
Nausea empfängt aber vor seiner Abreise nach Deutschland am 17.
Dezember 1525 in Bologna die Subdiakonatsweihe und am 21. Dezember 1525
in Padua die Diakonwelhe. Daraufhin reist er nach Frankfurt.
Nach empfangener Subdiakon- und Diakonweihe in Italien reist Nausea zu
Beginn des Jahres 1526 nach Frankfurt, wo das verwaiste Stift Sankt
Bartholomäus bereits auf den neuen Pfarrherren wartet. Bei Nauseas
erster Predigt am 24. Februar 1526 kommt es jedoch zu solchem Aufruhr,
"daß der gut doctor und her nit langer hat mögen predigen, ist also
hinweg gangen".
Nausea geht daraufhin nach Mainz, bleibt aber im Besitz der
Kirchenpfründe von Sankt Bartholomäus. In Mainz ernennt ihn Erzbischof
Albrecht nach abgehaltener Probepredigt zum Domprediger, er verleiht
ihm die "prebend vicaril mit der anhängenden predicatur im thumb". Zu
Nauseas Hauptprogramm in seiner bis 1534 dauernden Mainzer Zeit wird
die Reform des Klerus und die Einweisung des Volkes in die kirchlichen
Grundwahrheiten. Ursache der Mißstände im Klerus ist für Nausea die
Vernachlässigung der Bildung; er versucht, hier durch seine Predigten
und Schriften, die er in dieser Zeit herausgibt, entgegenzuwirken. Sein
Hauptwerk bilden die 1530 gedruckten Xenturien-, welche er König
Ferdinand und Erzbischof Albrecht widmet. Die fünfte Auflage im Jahre
1540 verdeutlicht das große Interesse an diesem Werk. Nauseas Freund
Cochläus schreibt am 1. Juli 1531 aus Dresden an Nausea: "Dieses Werk
ist ein Geschenk Gottes, nicht von dir."
Im Jahr 1532 erweitert sich Nauseas Tätigkeit in Mainz, indem ihm die
Professur der Theologie übertragen wird. Das hierzu nötige Doktorat und
Magisterium erwirbt er sich in Siena, wo sein dort erzieltes
Doktordiplom großes Aufsehen aufgrund der Gelehrsamkeit erregt.
Nach seiner Rückkehr aus Italien beginnt er sofort mit der Übersetzung
seines Hoimilienwerkes ins Deutsche. Er schreibt hierzu: "Ich habe mich
in solcher meiner Predigen Verdeutschung, so viol immer möglich, einen
solichen gemeinen Deutschens, so ungeferlich im gatzen heiligen
Römischen Reich in übung ist, gebraucht, das ich erhoffe, das dasselbig
beyläuffig vernemlich sein soll den Schwaben, Francken, Bayern,
Oesterreichern, Etzlendern, Sünkawern, Schweitzern, Reinländern,
Elsassern, Norrckawern, Meyssenern, Hessen, Düringern, Merern,
Schlesiern und auch vielen der Sachsen und anderen vöIckern,... "
Deutlich wird hier der große Verbreitungskreis der Schriften Nauseas.
Nauseas Bedeutung für Mainz läßt sich am besten dem Ausspruch Aleanders
aus dem Jahr 1532 entnehmen: "Was Cochläus für Sachsen, Eck für das
Donauland, das ist für die Rheinlande Nausea. 1533/34 führt Nausea
bereits Verhandlungen über seinen Wechsel nach Wien. Im Sommer 1535
nimmt er schließlich die Hofpredigerstelle in Wien an. nachdem ihm
König Ferdinand am 7. August 1535 auffordert, seine neue Stelle
einzunehmen. Ferdinand äußert sich über Nausea wie folgt: Ach bin
erfreut, diesen Mann, den ich so hoch schätze, an meinem Hof zu haben."
Mit der Hofpredigerstelle war ihm gleichzeitig die Würde eines
königlichen Hofrates verliehen. Zusätzlich erhält er am 15. Januar 1537
die Pfarrei Asparn an der Zaya und am 1. Februar 1537 die Pfarrei
Mistelbach.
Bis zur Ernennung Nauseas zum Koadjutor des Bistums Wien im Jahre 1538
verbringt er den Großteil seiner Zeit an den Höfen in Innsbruck und
Prag. Papst Paul 111. bestätigt in der Bulle "Romanus Pontifex in
potestatis plenitudine" vom 19. März 1538 die Ernennung Nauseas. Er
verordnet mit dieser Bulle, daß das Domkapitel und die Vasallen der
Kirche zu Wien,' sowie der Klerus und das Volk dem Koadjutor Gehorsam
und Ehrfurcht erzeigen müssen und daß ihn der Salzburger Metropolltan
als seinen Suffragan zu betrachten habe.
Als Koadjutor bleibt Nausea weiterhin Diakon und wird erst nach dem Tod
des Wiener Bischofs Faber zum Priester und Bischof geweiht. 1540 wird
Nausea aufgefordert, in Speyer am Religionsgespräch teilzunehmen. Auf
dem Religionsgespräch, welches im Juni 1540 nach Hagenau verlegt und im
November 1540 in Worms fortgesetzt wird, spricht Nausea vor allem mit
Melanchthon. An die anwesenden Theologen richtet Nausea die
Aufforderung, begangene Fehler gegenseitig zu vergeben und
kompromißbereit zu sein. Differenzen grundsätzlicher und gravierender
Art sollen allmählich bei sich anbietender Gelegenheit beigelegt
werden. "Als Christen und Deutsche sind wir zur Einheit aufgerufen," so
Nauseas Worte in Hagenau.
Interessant ist Nauseas Aussage zur Abwesenheit der Bischöfe: "Sie
schlafen auf beiden Ohren, als ob es sich nicht um ihre höchst eigene
Sache handelte, sie lassen die Dinge laufen, als ob sie nicht die
Wiederaufrichtung, sondern die Zerstörung der Religion wünschten, nur
auf ihre Einkünfte bedacht. Nauseas Handeln auf den Religionsgesprächen
ist sowohl von religiös-konservativer Strenge als auch von politischer
Diplomatie geprägt. er mußte zwischen seiner Funktion als Kleriker und
als Berater Ferdinands, eines weltlichen Herrschers, einen Mittelweg
suchen.
Nach Wien zurückgekehrt tritt er nach dem Tod Bischof Fabers am 21. Mai
1541 dessen Nachfolge an. Neben den finanziellen Sorgen der Diözese
Wien beklagt Nausea vor allem die Eigenartigkeit Wiens:
"Ein bißchen befehle der Bischof von Wien, ein bißchen der Bischof von
Passau, ein bißchen die Universität, ein bißchen der Dekan der
theologischen Fakultät, ein bißchen der Bürgermeister, ein bißchen die
Geistlichen, die sich bald hinter diesen, bald hinter jenen stecken,
und dem Bischof trotzen. Hierzu kommen noch die Mönche, mit ihren
Generalen, Äbten und Pröbsten. Ein jeder Bischof ist ein armer Mann,
ein Mann ohne Ansehen, ohne Einfluß, ohne Macht, aber auch ohne Mittel.
"
Auch als Bischof setzt Nausea seine Haupttätigkeit als Prediger fort.
Im Lobspruch der Stadt Wien aus dem Jahre 1548 von Wolfgang Schmelzl
heißt es: "Mit frewden gien ich in Tempel ein, da war Ersamer Rath und
gemein Versammelt zu hören Gottes wort, wie sich geprut an solchen Ort,
Vil tausent menschen standen da und predigt Bischof Nausea, wie er dann
pflegt zu aller Zeit, sein schäfflein zgeben selbst die weidt. "
Neben seinen Predigten arbeitete Nausea vor allem Vorschläge für das
Konzil aus. Ein wichtiges Werk stellt hierbei "rerum conciliarum libri"
dar. Am 6. Juli 1543 überbringt er an Papst Paul III. den Vorschlag der
Klerikerehe und des Laienkelches. Weiterhin überreicht er im selben
Jahr dem Papst seinen Katechismus. Zum Konzil selbst ist er bereits
1542 und 1545 als Orator des Königs bestimmt, doch zwingen ihn immer
wieder neue Ursachen nicht abzureisen.
Als Papst Julius III. am 14. November 1550 die Wiederaufnahme des Konzils bekannt gibt, schreibt Nausea an Julius:
"Ohne mich zu rühmen, kann ich sagen, daß kein anderer Bischof in
Deutschland das allgemeine Konzil, welches mir für die Ehre Gottes, für
das Wohl und den Frieden der Kirche, sowie für die Würde. des
apostolischen Stuhles so zuträglich erscheint, aufrichtig und eifrig
gewunscht, durch Schriften und Predigten mehr gefördert habe als ich."
Nauseas Anreise nach Trient wird abermals verzögert, diesmal zwingen,
ihn gesundheitliche Gründe zur Kur in Bad Abach. König Ferdinand
schreibt am 9. August 1551 an Nausea, er solle seine Kur so
beschleunigen, daß er bis Ende des Monats in Trient sein könne. Am 14.
August 1551 ist Nausea bereits in Wien und bittet Ferdinand um ein
Reisegeld. Ferdinand beordert am selben Tag, Nausea habe sich am
nächsten Montag aufzumachen, Reisegeld seien monatlich 100 Kronen,
Instruktion und Mandat sollen unverzüglich ausgefertigt werden.
In seiner Instruktion erklärte Ferdinand, er habe die Bischöfe Gregor
von Agram und Friedrich Nausea von Wien als seine "mandatarii et
commissari ill für das Konzil von Trient ernannt. Dieselben hätten ihn
als König von Ungarn, Böhmen, Dalmatien, Kroatien, als Erzherzog von
Osterreich bei den Vorsitzenden der Kirchenversammlung zu vertreten.
Nach schwieriger Reise über Salzburg, Innsbruck und Bozen erreicht
Nausea am 30. August 1551 abends um 7 Uhr Trient. Am 1. September nimmt
er bereits in der feierlichen Sitzung seinen für ihn bestimmten Platz
ein. Nausea schreibt: "Auf das Konzil habe ich große Hoffnungen, wenn
die Sitzungen nicht allzusehr verzögert würden. Alle Prälaten, sowohl
Spanier als Italiener zeigen gegen mir große Freundlichkeit und
besuchen mich zahlreich, was mich sehr freue."
Am 15. September bringt Nausea den Vorschlag zur Änderung der zu
schleppenden Geschäftsordnung. Sein erstes und bemerkenswertestes
Gutachten gibt er in der Generalkongregation vom 21. September 1551
bezüglich der sich auf das allerheiligste Altarsakrament beziehenden
Irrtümer. Stark setzt er sich hierbei für die Wiedereinführung des
Lalenkelches ein. Nausea fordert: "Das Konzil möge daher die Kommunion
unter beiden Gestalten gestatten. Wenn die geziemende Ehrfurcht und
Vorsicht eingeschärft werde, sei keine Verunehrung des heiligen Blutes
zu befürchten. "
In der Sitzung vom 6.. Oktober beteiligt er sich erneut rege an der
Diskussion um den Gebrauch des Laienkelches. Dies ist auch der Grund,
weshalb ihn Ferdinand, der den Lalenkelch nicht billigt, ermahnt, im
Namen des Königs auf dem Konzil zu handeln. Nauseas Teilnahme am Konzil
war intensiv, doch hatte er in Trient auch Zeit für seine
schriftstellerische Tätigkeit. In einem an Julius 111. gerichteten
Brief bittet er um Unterstützung und Förderung seiner zur Verteidigung
des Glaubens gewidmeten Schriften. Julius antwortet daraufhin in einem
Briefe vom 12. Dezember. Er lobt die Darstellungsweise, die
Gelehrsamkeit und den frommen Eifer, welche sich in diesen Schriften
fänden. Nicht weniger des Lobes wert hält er die Tätigkeit Nauseas auf
dem Konzil. Er werde eine Gelegenheit suchen, ihn seinen Dank und seine
Anerkennung auszusprechen.
Während dieser Monate ist Nausea aber bereits von einer schweren
Krankheit gezeichnet. Im Januar 1552 nimmt er noch an einer Sitzung
teil, am 3. Februar schreibt er sein Testament und stirbt am 6. Februar
in Trient. In den Konzilsakten heißt es: "Am Samstag, den 6. Februar,
verstarb zu Trient Friedrich Nausea, Bischof von Wien, Sprecher des
römischen Königs auf dem Konzil, ein Mann von überaus gutem
Lebenswandel und hervorragenden Sitten, bewundernswert in den
Wissenschaften jeder Art. Er hat viel für den katholischen Glauben
gegen die Häretiker geschrieben. Seine Seele ruhe in Frieden."
Wegen Mangels an Pferden und weil die Anfertigung der Trauerkleider
längere Zeit in Anspruch nimmt, wird der Leichnam erst am 11. Februar
von Trient weitergeführt. Er wird bis Hall mittels Wagen und von dort
bis Wien auf der Wasserstraße befördert. Acht Diener begleiten ihn. In
Wien wird Nausea vor dem mittleren Altar, dem Fronleichnams- oder
Markusaltar, beigesetzt. Heute erinnert im Stephansdom eine
holzgeschnitzte Darstellung seines Bildnisses an diesen Bischof aus der
Gründerzeit der Diözese Wien. Auch die Nauseagasse im 16.
Gemeindebezirk Wiens setzt ihm eine bleibende Erinnerung in Wien.
Sein größtes Vermächtnis setzte sich Friedrich Nausea aber mit der
Stiftung des spätgotischen Chores in seiner Heimatstadt Waischenfeld.
Ihr gilt auch der Großteil seines Testamentes. Dem Senat der Stadt
Waischenfeld stiftete er zwölf vergoldete Becher, den Armen und Kranken
einen größeren Geldbetrag sowie die Bücher seiner Bibliothek.
Daß die Waischenfelder ihren größten Sohn auch nicht vergessen haben.
wurde im diesjährigen Jubiläumsjahr deutlich. Eine neue Gedenktafel mit
den wichtigsten Lebensdaten Nauseas wurde enthüllt, der Schulplatz
wurde zum Bischof-Nausea-Platz umbenannt und die Pfarrbücherei trägt
den Namen Nauseas. In der Pfarrkirche und am Ort des ehemaligen
Geburtshauses erinnern ebenfalls Darstellungen an Nausea.
(Aus: Die Fränkische Schweiz, 1987, Nr. 2 und Nr. 4)
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