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Bierige Frühgeschichte
„Am 7. Tag Julius (1553) zundet mon Weischafeld an; merenteilß als
nemlich über 80 Heuser, auch das Rathauß, sampt den Preuheusern, Thorn,
Thürn und Wehren“. Dieser kurze Tagebucheintrag einer namentlich
unbekannten Klarissennonne zu den Schäden im Markgrafenkrieg (1552-54)
beweist, dass es in Waischenfeld schon vor 1664 Brauhäuser gegeben hat.
Man könnte die Zeit noch weiter zurückdrehen, um nach „Bierspuren“ in
Waischenfeld zu suchen. 1315 bekam Waischenfeld von König Ludwig die
gleichen Stadt- und Marktrechte zuerkannt, die seine Vorfahren der
Stadt Bamberg verliehen hatten. Und nur in einer „Stadt“ durfte Bier
gebraut werden – meinte Dr. Michel Hofmann in den Fränkischen Blättern
von 1953 (Nr. 2 ). In den Gemeindestatuten von 1500 und 1610 der Stadt
Waischenfeld stand die Ausgabe „ungeprüften“ Bieres unter Strafe. Und
zwischen 1590 und 1900 wurde in Waischenfeld Hopfen angebaut, wie Paul
Rattler, Verfasser des Waischenfelder Flurnamenbuches (von 1952) zu
berichten weiß. Die Waischenfelder waren schon immer leidenschaftliche
Biertrinker. Deshalb bauten sie 1611 ein neues Brauhaus, wie im
Wiesentboten von 1900 nachzulesen ist. Vermutlich brannten es die
Schweden im 30-jährigen Krieg nieder, was den Wiederaufbau von 1664
rechtfertigt. Wie aus den Beschlussbüchern des Bamberger Domkapitels
(über die Schäden im 30-jährigen Krieg) hervor geht, wurde der Ort 1632
zerstört: „die Stadt Waischenfeld, außer Kirchen und Schloss in Asche
gelegt. 149 Häuser, 78 Städel“ - schrieb Dr. Heinrich Meyer in den
Bamberger Blättern von 1927.
Durchaus denkbar, dass der Vorgängerbau des heutigen Brauhauses an der
gleichen Stelle stand. Schließlich benötigten die Brauer frisches
Quellwasser, das der „Johannesbrunnen“ (heute Nepomukbrunnen) unterhalb
des Brauhauses seit Jahrhunderten liefert. Im Jahre 1807 wurde für ganz
Bayern die Privatisierung der Kommunbrauhäuser gesetzlich angeordnet,
weil deren Unterhaltskosten zu hoch wurden. Fortan mussten jeder
private Brauer Anteilscheine an einer Braugesellschaft zeichnen, wollte
er dort Bier brauen. Wann dieser Fall in Waischenfeld eintrat, ist
derzeit noch unbekannt. Ein Vorbild für alle Biergenießer war
seinerzeit Bürgermeister Lauer. 1839 finanzierte er aus eigener Tasche
einen neuen Braukessel für 116 Gulden (immerhin fast der Halbjahreslohn
eines Lehrers). Die Brauer mussten das Geld nach und nach bei ihm
„abstottern“. 1849 „verwässerte“ ein Hochwasser den fast fertigen Sud
der „Bräuer“ Franz Schweßinger und Johann Wittauer, wie das
Gemeindebuch aus jener Zeit zu berichten weiß. Bierbrauen hat nach
diesen Erkenntnissen eine lange Tradition in Waischenfeld. Beim
„Gruber“ und „Eberla“, in der „Sonne“ und beim „Heckel“ gab es das
frische „Kommunbier“ noch vor wenigen Jahrzehnten in individuellen
„Geschmacksrichtungen“. Davon wissen die „Alten“ noch ein lautes Lied
zu singen. Deshalb wäre es schade, wenn die letzte Erinnerung an diese
Zeit verloren ginge. Leider ist es auch Tradition in Waischenfeld,
geschichtsträchtige Bauwerke nach und nach zu beseitigen. Man denke nur
an den Abbruch des alten, mächtigen „Staahaus“ (ehemaliges Rentamt) in
den 60er Jahren (an Stelle der heutigen Gesamtschule), das ein Bauwerk
des berühmten Leonhard Dientzenhofers war oder an den Abriss
historischer Fachwerkhäuser, wie zum Beispiel dem „Burgbacherhaus“ in
der Hauptstraße.
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